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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 40

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 40 (sequence 40)
Language
German
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40 Auf das dämmernde Licht, welches einst über der geheimnisvollen Höhe.des Moria aufgegangen, habe ich eingangs meines heutigen Vortrages hingewiesen. An den Bericht über die Opferung Isaks, die Prüfung Abrahams, wie dieses Kapitel der Schritt auch bezeichnet wird, habe ich. angeknüpft. War es nun eine Prüfung des Gehorsams oder eine E r k e nn t n i s probe, der Abraham unterworfen wurde, gleichviel, das Geschehnis hat eine vorbildliche Bedeutung und Kraft gewonnen für die gesamte Geschichte des jüdischen Volkes, welches, gehüllt in den Purpur des eigenen Blutes, mit der Dornenkrone des heiligen Martyriums auf dem Haupte, durch die Länder und Zeiten wandert, um die ewigen Gebote der Freiheit, des Rechtes und der Liebe zu verkünden. Wie Abraham bereit war, seinen Sohn Gott zu opfern, so hat das jüdische Volk durch Jahrhunderte und Jahrtausende, um nur seinem Gotte die Treue zu bewähren, seine Söhne und Töchter zum Blutgerüst und zum Scheiterhaufen schleifen lassen, die gleich Isak mit kindlicher Ehrfurcht und heldenmütiger Ergebung stets bereit waren, sich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Möge das Gedächtnis dieser Edlen einen Funken altjüdischer Begeisterung in den erschlafften Herzen ihrer Enkel entzünden, die Männer und Frauen, die Söhne und Töchter Israels mit Treue und Standhaftigkeit erfüllen, den Vorsatz in ihnen festigen, dafür nun zu leben, wofür die Väter so heldenmütig zu sterben wussten, die unvergleichliche Treue im Leben zu bewähren, welche jene mit dem Tode besiegelt haben! Mitteilungen der?fOesterreichisch - Israelitischen Union". Die Gemeinderatswahlen in Wien. Der 9. Mai, an welchem der IV. Wahlkörper (allgemeine Kurie) die Ergänzungswahlen für den Gemeinderat vornahm, hat eine erfreuliche Ueberraschung gebracht. Zum ersten Male seit dem Bestände der christlich-sozialen Herrschaft in Wien gelang es der freisinnigen Wählerschaft, dieser Partei eine Anzahl von Mandaten im Kampfe zu entreissen und so den Nimbus der Unbesiegbarkeit des „Herrn von Wien" zu zerstören. Die Sozialdemokraten haben nicht nur ihre drei bisherigen Mandate, Favoriten, Octakring, Floridsdorf, behauptet, sondern noch vier neue Mandate, und zwar jene von Margarethen, Meidling, Rudolfsheim und Brigittenau erobert. In diesem Siege darf man immerhin den Vorboten eines beginnenden politischen Umschwunges in der Reichshauptstadt erblicken, zumal der 9. Mai eine Probe auf die künftigen allgemeinen Reichsratswahlen bildet. Es ist heute schon sicher.

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