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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 34

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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34 Hass und Neid, von verblendeter Habsucht, um sich der Habe der Juden mit einem gewissen Anstand aneignen zu können. Das also war des Pudels Kern. * * * Ich sagte: Jene Ereignisse aus dem XV. Jahrhundert stehen heute noch, obgleich wir bereits das XX. begonnen haben, in voller lebendiger Kraft und Wirksamkeit und haben die Entscheidung im Prozesse gegen Leopold H i 1 s n e r bestimmend beeinflusst. In Unterhaltungen, Reden, Predigten und Broschüren ward man nicht müde, während des Prozessganges, von dem Martyrium des heiligen Knaben Simon zu erzählen, der einem Ritualmord zum Opfer fiel und dessen heiliges Blut die Juden von Trient zum Passahfest verwendeten. Diese Erzählungen bildeten eines der wirksamsten Mittel zur Erzeugung der geistigen Atmosphäre, innerhalb deren das Urteil gegen Leopold H i 1 s n e r möglich geworden. Der Bischof Brynych von Königgrätz, zu dessen Diözese Polna gehört, hielt in Chrast, einem kleinen tschechischen Orte, einen Vortrag, der am 2. November 1899 in dem bischöflichen Organ „Obnova" und in anderen Blättern abgedruckt wurde. Das Thema des Vortrages lautete: „Das Blut." Der Redner schilderte an der Hand der Geschichte den Fluch, der angeblich auf dem jüdischen Volke lastet, und verwies auf die Begebenheit von Trient. Er erzählte, „wie man nach der gewissenhaftesten Untersuchung der ganzen Sache in der Kirche und insbesondere in der Trient i n e r Diözese dieses Knäblein als heiligen Märtyrer verehrt wie man in dem geistlichen, von Kirchenbehörden herausgegebenen Gebetbuche liest, dass es auf das Kreuz gespannt und dass sein Blut aus Hass gegen Christus vergossen, aufgefangen und zu den alttestamentarischen Osterfcroten verwendet wurde. Und wenn andere Herren,,, so führte der Bischof aus", ich weiss nicht, ob aus blosser Verblendung oder aus antikatholischem Denken, nicht das Blut sehen wollen, von dem ich rede, müssen sie uns, wenn sie wahrhaft freisinnig sind, verzeihen, dass sie uns unsere Ueberzeugung aus dem Herzen nicht herausreissen werden, nach welcher nicht nur von allen Chören in der heiligen Osterzeit, sondern auch in den durch alle Jahrhunderte sich wiederholenden Begebenheiten des Blutes rufende Stimme tönt: Sein Blut, auf uns und auf unsere Söhne!" In diesem Vortrage des Bischofs wiederholte sich das Wort „Blut" drei-, viermal fast in jedem Satze. Man denke sich alles dies von dem hohen geistlichen Würdenträger der gläubigen Gemeinde vorgetragen, und ermesse danach die Wirkung. Als nach dem Ausbruch der Unruhen in Polna die Juden sich hilfeflehend an den dortigen Dechanten Schimek mit der Bitte wandten, das Volk von der Kanzel oder von der Rampe vor der Kirche über das Ritualmärchen zu beruhigen, antwortete der Dechant, er sei in der Sache nicht kompetent, es sei jetzt nicht der geeignete Moment, über

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