Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 knüpften Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitismus dadurch, dass er beide ihm gegenüber verleugnet". * * Mit der Lichtgestalt Abrahams tritt Israel in die Geschichte ein. Der Erzvater ist kein Völkerbezwinger, sein Schwert schwingt er nur zur Befreiung von Unterdrückten; dem Fremden eilt er entgegen, um ihm Gastfreundschaft anzubieten. Im hohen Alter wird ihm ein Sohn geboren. Er soll ihn auf dem Gipfel des Berges Moria opfern. Allein Isak wird gerettet. Was hat diese Eettung herbeigeführt? War es etwa die Vaterliebe zu dem Kinde seines Alters, welche den Sieg im Herzen Abrahams davontrug? War es Mitleid, Teilnahme an dem Geschick eines jungen Menschenlebens? Von alledem erzählt die heilige Schrift nichts. Es war vielmehr die Stimme des Herrn, die Abrahams Geist vernommen hat: „al tischlach jodecho el hanaar" „Strecke nicht die Hand aus nach dem Knaben!" Es war die Erleuchtung des Geistes, die lautgewordene Stimme der Gotteserkenntnis, welche die Menschheit von einem finsteren Wahn erlösen wollte und erlöst hat. Die Erlösung der Menschheit von den Greueln der Menschenopfer hat Israel mit seinem Eintritt in die Geschichte vollbracht. Allerdings mussten noch Jahrtausende vergehen, ehe die Schallwellen jener an Abraham gerichteten Gottesstimme auf dem Gipfel des Moria auch das Ohr arischer Völker erreicht haben. Unter allen Angriffen auf das Judentum dürfte darum kaum einer die Angegriffenen tiefer und schmerzlicher verletzen, als die Blutlüge. Die Erziehung der Völker zu einer veredelten, höheren Gottesauffassung ist vornehmlich das Verdienst des jüdischen Volksstammes. Es ist ein treffendes Wort von Professor Cornill: „Durch seinen Prophetismus ist Israel der Prophet der gesamten Menschheit geworden." Zum Dank dafür wurden seine Söhne zu Tausenden geschlachtet, gerädert, zum Scheiterhaufen geschleift unter dem Vorwand, dass sie angeblich ihren Religionsvorschriften zufolge kannibalische Ritenüben. Getaufte Juden, die innerhalb der Kirche zu hohem Range aufgestiegen sind, z. B. der spanische Bischof Paulus von Burgos, warnten eindringlich davor, solchen Märchen Glauben beizumessen. Dadurch wird, so sagt dieser Bischof, bei den Juden die Ueberzeuguag erweckt, „dass wir Christen mit Lügen umgehen, was auch die von der Taufe abschreckt, welche sonst der Annahme des Christentums geneigt wären." Der berüchtigte Johannes Pfefferkorn, der im Vereine mit Kölner Mönchen beim Papst und beim Kaiser um Verbrennung des Talmuds petitionierte und prozessierte, warnt nicht minder eindringlich vor dem „nichtigen Gerede", welches nur das Christentum in den Augen der Juden herabsetzt und „uns Christen nicht wenig zur Verachtung gereicht." Ja, Eisenmenger, der grosse Lügenschmied, von dieser Lüge will selbst er nichts wissen. Alle diese und ähnliche Warnungen verhallten unbeachtet. Vergebens haben verschiedene theologische Fakultäten ihre Stimme