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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 zu erkennen. Da es nicht danach strebte, der Hammer zu sein, musste es sich gefallen lassen, allmählich für alle zum Ambos zu werden. Israel hat aber auch niemals einen Religionskrieg unternommen, d. h. einen Krieg mit dem Ziele, andern Völkern die eigene religiöse Ueberzeugung aufzudrängen. In der heiligen Schrift findet sich der Ausdruck „Gotteskriege". Die Schrift versteht jedoch darunter einen Krieg, in welchem Gott für Israel kämpft, niemals einen Krieg, den etwa der Mensch für Gott unternommen hätte. Religionskriege, Kriege, für welche die Religion die Ursache oder den Vorwand liefert, waren dem gesamten Altertum fremd, sie sind auf dem Boden einer polytheistischen Gottesauffassung ausgeschlossen. Wo so viele Götter ihre Kultstätten dicht neben einander hatten und miteinander sich friedlich vertrugen, da erweckte es weder Hass noch Eifersucht, wenn zu den alten irgend welche neue sich gesellten. Erst der strenge Monotheismus, der grosse Gedanke der Einzigkeit Gottes, der alle Welten allein erschaffen und erhält, der die Geschicke der Menschen und Völker nach weisem Ratschluss lenkt und leitet, erst diese an sich so erhabene Idee schuf für die Religionskriege die Voraussetzung, die Möglichkeit, die verhängnissvolle und gefährliche Versuchung. Alle heidnischen Kultformen, die Verehrung einer Kreatur oder einzelner Naturkräfte, die Anbetung der Gestirne, der Planeten insbesondere, erscheinen dem Bekenner des Monotheismus als Rebellion gegen den einzigen Gott; in der fortdauernden Uebung des heidnischen Kultus sieht er eine unerträgliche Verhöhnung Gottes, und die glaubenseifrige Frömmigkeit hat es zu allen Zeiten als Verdienst angesehen, die Ehre Gottes mit Feuer und Schwert zu rächen. So entstanden die grausamen und wilden Religionskriege, eine der betrübendsten und abstossendsten Verirrungen der Menschheit. Um vor solchen bösartigen Geistesverirrungen das jüdische Volk zu bewahren, hat der göttliche Gesetzgeber sogleich bei der offiziellen Verkündigung des monotheistischen Gedankens gleichzeitig die Idee der religiösen Toleranz proklamiert und eingeschärft! Gotteserkenntnis ohne Milde und Duldung ist kein stützender Stab, sondern ein tötender Stahl; Religion ohne Toleranz ist nicht das köstliche Himmelslicht, welches die Herzen erwärmt und das Auge erleuchtet, es ist vielmehr eine zehrende Flamme, deren Gluten Hass und Zwietracht entfachen, Glück und Wohlstand der Völker zu Asche wandeln, Kultur und Gesittung jin Rauch aufgehen lassen. So wird es uns verständlich, dass im 4. Kap. des V. Buches Mose als Einleitung zu dem Berichte über die Gottesoffenbarung am Sinai die eindringliche Mahnung zu lesen ist (Vers 15): „So bewahret wohl Euere Seele, denn Ihr habt keine Gestalt gesehen am Tage, da der Herr zu Euch redete vom flammenden Gipfel des Horeb, ... auf dass Du nicht die Augen erhebest zum Himmel und so Du erblickest die Sonne und den

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