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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 dahin, dass man nicht nur die Grossbesitzer in den Vorstand wählen darf. Allerdings ist Herr v. Taussig nicht von uns gewählt worden. Man hat vor vier Jahren eine neue Wahlordnung oktroyiert, ohne die Wähler zu fragen, und hat in dem Augenblicke, wo überall der Ruf nach allgemeinem Wahlrecht ertönte, ein Kuriensystem geschaffen, durch welches der Grossgeldbesitz zu einer eigenen Vertretung im Kultusvorstande gelangte. Pflicht der Wählerschaft gegenüber diesen Zuständen ist es, den Männern ihrer Wahl aus der allgemeinen Kurie bei künftigen Wahlen den Auftrag zu geben, dass sie ihre Tätigkeit im Vorstande nicht ausüben dürfen, so lange gewisse Mitglieder noch im Vorstande sind. (Langanhaltender Applaus.) Nun erheben sich immer lautere, immer stürmischere Rufe nach Herrn Architekten Marmorek. Die anwesenden Zionisten verlangen leidenschaftlich, dass Herr Marmorek zu dem Gegenstande der Debatte Stellung nehme. Nachdem der Lärm minutenlang gedauert, betritt Herr Marmorek die Tribüne und gibt folgende Erklärung ab : „Sie mögen überzeugt sein, dass ich von dem ersten Augenblicke, wo dieser Vorfall sich ereignet hat, mir meine Meinung gebildet habe, aber es ist selbstverständlich, dass ich, solange ich Mitglied des Kollegiums des Kultusvorstandes bin, nicht öffentlich auftreten werde, bis ich mich über alle Umstände genau informiert habe. Sie werden in kürzester Zeit meinen Entschiuss erfahren." (Lang andauernde Heiterkeit.) Auf stürmisches Verlangen und mit Zustimmung der noch eingeschriebenen Redner schreitet nun der Vorsitzende zur Abstimmung über die Resolution. Dieselbe vollzieht sich unter ausserordentlicher Spannung der Versammlung, die auf nahezu 400 Mitglieder angewachsen ist. Zunächst gelangt der Antrag zur Abstimmung, dass über den Schlusspassus der Resolution gesondert abgestimmt werde. Die Versammlung legt diesen Antrag mit allen gegen 8 Stimmen ab. Nunmehr wird die Resolution selbst zur Abstimmung gebracht. Unter begeisterten Zurufen erhebt die überwältigende Mehrheit die Hand für die Resolution. Die Gegenprobe ergibt, dass nur 5 der anwesenden Kultusvorsteher gegen die Resolution stimmen. Das Abstimmungsresultat ruft stürmische Ausbrüche der Begeisterung hervor. Zahlreiche Mitglieder der Versammlung brechen in den Ruf: „Hoch die Oesterreichisch-Israelitische Union" aus. Dr. Alexander Mintz wünscht nunmehr, der Versammlung einen versöhnlichen Abschluss zu geben. „Wir haben uns zusammengefunden in einem einheitlichen Gefühl und Gedanken und sind fest zusammengestanden, um unserem innersten Empfinden Ausdruck zu geben. ■ Die Resolution wirkt reinigend wie ein Gewitter und wir werden uns wieder zusammenfinden, wenn auch unter Sturm und Donner."

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