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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 lution vollinhaltlich beistimme, sondern noch eine Verschärfung derselben beantragen möchte, nachdem der Vizepräsident und andere Vorstandsmitglieder der Kultusgemeinde sich mit Herrn v. Taussig solidarisch erklären. Herr Dr. Kohn sagte, man solle nicht das Gefühl sprechen lassen. Wie? Soll das Gefühl nicht mitsprechen, wenn Tausende von Juden in Eussland erschlagen werden? Man weiss ja, wie diese Judenmassakres entstehen und wozu sie gemacht werden. Sie werden aus zwei Gründen von der russischen Regierung arrangiert. 1. Deshalb, um den Hass des russischen Volkes gegen die Despotie und deren Werkzeuge auf die Juden abzulenken und 2., um durch Drohungen mit Judenmassakres immer wieder von den westeuropäischen Juden Geld zu erpressen. In dem Augenblicke aber, wo man das Geld hat, gibt man wieder das Zeichen zu neuen Judenabschlachtungen. (Lebhafter Beifall.) Herr Dozent Dr. Hajek führt aus, dass der Beamte nicht verantwortlich gemacht werden könne für die Durchführung der ihm erteilten Aufträge. Herr v. Taussig hat lediglich als Direktor seiner Anstalt gehandelt. Eine Bank ist interkonfessionell und er ist in seiner Berufsstellung verpflichtet, allen Klienten der Bank gerecht zu werden. Auch der staatlich bestellte Henker ist ja vom Standpunkte der bürgerlichen Ehre ein ganz honoriger Mensch, aber man wird ihn nicht zum Präsidenten einer ethischen Gesellschaft machen. Wir Juden müssen in diesen schweren Zeiten nur ganze Männer in den Vordergrund stellen, die im Stande sind, die Interessen des Judentums ihren Berufsinteressen voranzustellen. Da müssen wir die Konsequenz für die Zukunft ziehen, dass wir die richtigen Männer an den richtigen Platz entsenden. (Allgemeine Zustimmung.) Sekretär Fleischer stellt zunächst fest, dass nicht die Eesolution des Vorstandes die Sache zu einer Taussig-Frage zugespitzt habe. Er bedauere den persönlichen Charakter der Debatte. Die „Union" sei keine auf den Gelderwerb gegründete Institution, sie sei keine Aktiengesellschaft, sondern zu dem Zwecke geschaffen worden, um die Ehre jedes einzelnen Juden zu wahren und zu hüten. Wenn ein Antisemit uns den Vorwurf ins Gesicht geschleudert hätte, dass die Wiener Juden um 5 Prozent das Leben ihrer russischen Brüder verkaufen, so hätte sich gewiss der Kultusvorstand mit uns in flammender Entrüstung und zur Abwehr einer so ungeheuerlichen Beschuldigung vereinigt. Haben wir diese Pflicht nicht auch dann, wenn Juden die Berechtigung zu einem solchen Vorwurfe gegeben haben? (Lebhafte Zustimmung.) Im Punkte der Ehre gibt es keinen öOprozentigen und keinen 80prozentigen Ausgleich, da müssen wir die vollen 100 Prozent verlangen, oder wir haben nicht mehr das Recht, weiter zu existieren. Ist denn die Zugehörigkeit des Herrn v. Taussig zum Kultusvorstande ein Milderungsgrund oder nicht vielmehr ein Erschwerungsgrund? Der sehr verehrte Vizepräsident der Kultus-

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