Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 5 (5.1906)
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Ebenso rasch wurde einer Winkeldruckerei in Lemberg ein Ende gemacht, welche ein Kitualmordbild in Massen herstellte und in vielen tausenden Exemplaren in Galizien verbreitete. Das Justizministerium hat über unser Einschreiten das Verbot der Weiterverbreitung des Bildes angeordnet und die gerichtliche Untersuchung gegen die Urheber desselben eingeleitet. Auch ein in Neu-Sandec bei einem Photographen ausgestelltes Bild mit der Ueberschrift: „Der Jude Itzig Zorn, welcher den Katholiken Konstant Pulit ermordet hat", wurde auf Grund der Intervention unseres Neu-Sandecer Vertreters von der dortigen Bezirkshauptmanschaft entfernt. Bezeichnend ist die Tatsache, dass ein Flugblatt, das sich mit derselben Affaire befasste, im Neu-Sandecer — Jesuitenkloster hergestellt wurde, — Selbstverständlich bat es auch im Berichtsjahre nicht an Versuchen der antisemitischen Hetzpresse gefehlt, jeden unerklärlichen Leichenfund zu einem Ritualmord zu stempeln. So meldete am 29. September das „Deutsche Volksblatt", dass in der Nähe Krakaus die Leiche der neunjährigen Marie Kolas mit zwei schrecklichen Schnittwunden am Halse und vollkommen blutleer aufgefunden worden sei. Das offizielle Sektionsprotokoll stellte dagegen fest, dass der Kopf der Leiche in einer grossen Blutlache lag und die Kleider förmlich mit Blut getränkt waren. (Beifall.) Angriffe auf die Ehre unserer Glaubensgenossen sind durch unser Rechtsschutzbureau durch gerichtliche Klage wiederholt erfolgreich zurückgewiesen worden. Gegen den Altonaer Kaufmann J. Aron hatte das „Deutsche Volksblatt" die Beschuldigung unstatthafter Ausbeutung seiner christlichen Arbeitskräfte erhoben. Herr Aron betraute unser Rechtsschutzbureau mit der Verfolgung des genannten Blattes und vor dem Wiener Schwurgerichte bequemte sich dasselbe zu einer Ehrenerklärung, in welcher die Notiz wider Herrn Aron, als auf durchaus unrichtigen Informationen beruhend, ihrem ganzen Inhalte und Umfange nach widerrufen und dem Bedauern über die ungerechtfertigte Schädigung der Ehre des Betroffenen Ausdruck gegeben wurde. Am 17. Dezember gebrauchten die Brüder Alois und Josef Friers in Oberhollabrunn in Gegenwart des Kultusvorstehers Wallisch und des Kantors Jellinek beleidigende Aeusserungen gegen die Juden. Die Kultusgemeinde Oberhollabrunn klagte durch unser Rechtsschutzbureau und die Brüder Friers gaben eine öffentliche Erklärung, in welcher sie tief bedauerten, dass sie sich zu Beleidigungen gegen die Angehörigen der jüdischen Religionsgenossenschaft hinreissen Hessen, und diese Aeusserungen ihrem ganzen Umfange nach zurückzogen. Der Fleischhauer Samuel Chaim in Dembica wurde auf Grund einer böswilligen Denunziation eines Konkurrenten wegen angeblicher Amtsbestechung vom Kreisgerichte Tarnow zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, Wir haben die Aufmerksamkeit der