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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 zustimmen. So unerlässlich es auch ihm erschien, dass die jüdischen Wähler nicht länger ungerufen und unbedankt den verschiedenen politischen und nationalen Parteien blinde Gefolgschaft leisten, sondern sich zur Wahrung ihrer Interessen auf selbständiger politischer Basis organisieren, so sehr musste ihm doch die nationale Absonderung der Juden in den gemischtsprachigen Ländern als eine Gefahr für deren wirtschaftliche Lebensbedingungen erscheinen, ganz abgesehen davon, dass den Begriffen ..jüdische Nationalität" und ,. jüdische Autonomie" selbst dort, wo unsere Glaubensgenossen in grösserer Masse beisammen leben, kaum ein gegenständlicher Inhalt gegeben werden könnte. Der Vorstand hat sich daher in einer öffentlichen Kundgebung gegen das Verlangen nach einer eigenen jüdischen Wahlkurie, resp. nach Anerkennung einer jüdischen Nationalität ausgesprochen, er wird aber angesichts der bevorstehenden Wahlreform alle Bestrebungen kräftig unterstützen, welche darauf gerichtet sind, der jüdischen Wählerschaft eine möglichst zahlreiche, energische und einheitliche Vertretung im Parlamente zu sichern. (Beifall.) In diesem Sinne hat die „Oesterreichisch-Israelitische Union" schon gegenüber der Neugestaltung der Verhältnisse in Mähren Stellung genommen. Dort ist bekanntlich zwischen Deutschen und Tschechen ein Ausgleich vereinbart worden, wonach der Besitzstand jeder der beiden Nationalitäten durch entsprechende Aufteilung der Wahlbezirke fest abgegrenzt wurde. Jeder Landtagswähler ist verpflichtet, sich von vornherein in den deutschen oder tschechischen Wahlkataster eintragen zu lassen, eine Bestimmung, welche speziell für die von beiden Seiten hart angefeindeten Juden gefährlich erschien. Denn es war zu besorgen, dass nicht nur bei der Anlage der Kataster die Juden in eine schwierige Lage geraten werden, sondern dass auch der wirtschaftliche Boykott gegen sie umso schärfere und gehässigere Formen annehmen werde, je weniger noch fernerhin im Wahlkampfe ihre Stimmen benötigt werden Zur Feststellung eines einheitlichen Vorgehens haben wir deshalb am 17. Dezember 1905 eine Versammlung unserer mährischen Vertrauensmänner nach Wien einberufen, welche sich auf folgende Beschlüsse einigten: In jenen Wahlbezirken, in welchen die Juden eine verschwindende Minderheit bilden, könne es jeder einzelnen Gemeinde überlassen werden, sich in den Kataster der Ortsmajorität einzutragen; in den deutschen Wahlbezirken Auspitz, Göding und Mährisch-Weisskirchen jedoch, in denen die Juden einen bedeutenden Bruchteil der Wählerschaft bilden, empfehle es sich, dass alle Juden sich geschlossen in den deutschen Kataster einschreiben lassen, um so das Schwergewicht ihrer Stimmen bei den Wahlen im Sinne einer jüdischen Interessenpolitik geltend mächen zu können. Zur Ratifizierung dieser Beschlüsse sei eine Delegierten-Versammlung •der Kultus- und politischen Judengemeinden Mährens nach Brünn ■einzuberufen. Unser Sekretär hat hierauf im Jänner d. J. mit der l*

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