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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-05-01 · 5 (5.1906) · p. Seite 2

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
5 (5.1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 pflichtung haben, sich in ihrer Handlungsweise genau in den Rahmen der Ehre zu halten. Das abgelaufene Jahr war auch speziell für Oesterreich bedeutungsvoll durch die Aufwerfung des gleichen und direkten Wahlrechtes, welches die politische Stellung der Juden nach gewissen Richtungen hin nicht günstig beeinflussen wird. Wie der Vorstand der „Union" gesucht hat, den politischen Anforderungen der Zeit gerecht zu werden, möge Ihnen der Rechenschaftsbericht zeigen, zu welchem Behüte ich Herrn Fleischer das Wort erteile Sekretär Fleischer verliest folgenden Rechenschaftsbericht : Geehrte Generalversammlung! Auch unser diesjähriger Rechenschaftsbericht beginnt mit einer Totenklage. Die Greuel von Kischenew haben sich im abgelaufenen Jahre verhundertfacht, die Schergen des Zaren haben die Freiheitsbewegung, welche nach den Niederlagen in Ostasien das ganze russische Volk erfasste, in Strömen jüdischen Blutes zu ersticken versucht. Aber die Absichten der Werkzeuge der russischen Despotie scheiterten an der Energie des Volkswillens. Der Zar musste sich zur Verheissung konstitutioneller Einrichtungen auf Grundlage des allgemeinen Wahlrechtes bequemen. So sehr nun auch die Erfüllung dieser Verfassungen noch in Frage steht, so haben dieselben doch in Verbindung mit der Entwicklung der ungarischen Verfassungskrise einen überraschenden Rückschlag auf unsere innerösterreichischen Verhältnisse geübt. Was in Russland versprochen, in Ungarn als notwendig erkannt wurde, konnte in Oesterreich nicht länger verweigert werden. Das Ministerium Gautsch setzte seine Existenz an die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes, und damit trat auch an die österreichische Judenschaft, die sich viele Jahre hindurch fast ausschliesslich auf die Verteidigung ihrer staatsbürgerlichen Rechte beschränkt hatte, seit langer Zeit zum erstenmal wieder eine positive politische Frage heran. Schon die Ankündigung der Wahlreform hat gezeigt, dass die jüdische Wählerschaft durchaus nicht als eine quantite negligeable oder als blosses Anhängsel dieser oder jener politischen Partei betrachtet werden könne. Veranlasst durch das Katasterwahlrecht der neuen mährischen Landtagswahlordnung und durch das Bestreben der ruthenisehen Führer, die galizischen Juden von den Polen abzuziehen, wurde von einem Teile der Judenschaft die Forderung nach einer eigenen jüdischen Wahlkurie und Anerkennung einer selbständigen jüdischen Nationalität erhoben. Der Vorstand der „Oesterreichisch- Tsraelitischen Union" konnte bei ruhiger und nüchterner Prüfung der Sachlage und bei sorgsamer Abwägung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der Judenschaft dieser Forderung nicht

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