Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 den Anstoss hierzu hat die scharfe Verurteilung der Hetze durch Herrn Geistlichen Rat Schirmeisen im katholischen Bürgerkasino gegeben". Der Erste Staatsanwalt in Beuthen bemerkt in einer amtlichen Bekanntmachung über den Leichenfund u. a. folgendes: ,.Das Verbrechen ist bisher unaufgeklärt, die Persönlichkeit des Getöteten nicht ermittelt. Die Zerstückelung der Leiche muss unter Anwendung grosser Gewalt und mittelst eines Fleischhackmessers oder ähnlichen Werkzeuges bewirkt sein. Der Täter muss mit der Zerlegung von Fleisch Bescheid wissen. Die Annahme eines Ritualmordes ist nach dem Gutachten der obduzierenden Aerzte ausgeschlossen. Die Leichenteile waren keineswegs blutleer. Die Sektion hat mit Sicherheit ergeben, dass der Tod durch die Schädelverletzung und die Zerlegung der Leiche, im besonderen auch die Trennung des Kopfes vom Rumpfe erst nach dem Tode erfolgt ist. Der Regierungspräsident hat auf die Ergreifung des Täters eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt". Korrespondenzen. Wien. (Arbeitsvermittlung für Hochschule r.) Im Saale der „Oesterreichischen Israelitischen Union" fand unter dem Vorsitze des Dozenten Dr. Grünfei d die konstituierende Versammlung des neugegründeten „Vereines für unentgeltliche Arbeitsvermittlung an jüdische Hochschüler" statt. Dozent Grünfeld eröffnete die Versammlung mit einem Hinweis auf das studentische Elend, worauf Direktor Dr. Krenberger das Referat über Ziele und Zwecke des neuen Wohlfahrtsinstituts erstattete, das im Zeichen der sozialen Fürsorge stehe. Das Elend unter den Studierenden ist gross, es gibt viele, die nach J. J. Dawids Wort — „am Wege sterben". Sie haben nicht die Mittel, ans Ende ihrer Studien zu gelangen, und die Not lässt sie zusammenbrechen, ehe sie ins Leben eintreten können. Diesen in ihrer Studienzeit Arbeit zu vermitteln, die ihrem Bildungsgrade entspricht, also als Lehrer, Hofmeister, Stenographen etc., heisst sie der Zukunft retten. Eine Anzahl Bürger trägt dazu die Kosten, die Studenten selbst aber werden das Institut zu verwalten haben. 'Beifall.) Es ist jedenfalls auch moralisch von weit höherem Werte, den Hochsehülern Gelegenheit zur Arbeit zu geben und sie dadurch der Notwendigkeit zu überheben, leihweise in den Besitz von Rigorosen- oder Promotionstaxen zu gelangen, die dem jungen Doktor eine schwere, drückende Last bedeuten. Die weitere Debatte betraf vorwiegend praktische Fragen, worauf der Vereinsvorstand folgendermassen gewählt wurde: Dozent Dr. Grünfeld Präsident, Notar Dr. B er mann Kasseverwalter, Direktor Dr. Krenberger und Redakteur Deutsch Sekretäre, die Hofräte Taussig und Zuckerkand 1, Advokat Dr. Hermann Wolf, Professor Dr. P o 11 a k und die Herren Jakob Langer, Fritz Singer und fünf Hochschüler als Ausschussmitglieder. Wien. (Zum 80. Gedenktage der Einweihung des Wiener Stadttempels.) Am 9. April 1. J. waren 80 Jahre verflossen, seit das älteste Wiener Bethaus — der Stadttempel — eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben wurde.. Zur Erinnerung an diesen Tag erscheint zu Beginn des nächsten Monats im Verlage der k. u. k. Hofbuchhandlung Wilhelm