Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 eine Mitteilung der Beuthener Polizei bestätigt, nach welcher der Ermordete seinem Gesichtstypus nach ein galizischer oder polnischer Arbeiter gewesen ist. Mit Genugtuung darf konstatiert werden, dass der Geistliche Rat Schirmeisen im Beuthener katholischen Bürgerkasino den hetzerischen Ausstreuungen des Zentrumsorgans sofort energisch entgegentrat mit folgender Erklärung : „Wir wollen die Juden nicht hassen, weil dies unchristlich ist und ich missbillige es, dass eine derartig schwere Anklage ohne Grund in der Zeitung geschrieben wird. Ich erkläre, dass ich die Juden durchaus nicht hasse und verwahre mich dagegen, dass durch die Zeitung eine neue Hetze angefacht wird. Begreifen kann ich nicht, wie in der Zeitung von einem Ritualmord die Rede sein kann, wo nicht das Geringste bewiesen ist. Wir müssen nach den Lehren unserer Religion mit den Andersgläubigen in Frieden leben und unsere Gegner mit anständigen Waffen bekämpfen". Zu dem niederträchtigen und gewissenlosen Versuche des Zentrumsblattes, die Volksmassen zu verhetzen und aufzurühren bemerkt ferner die „Oberschlesische Grenz-Zeitung" in Beuthen: „Das hiesige Zentrumsblatt, das bei Bekanntwerden des Leichenfundes schnell dabei war, den Mord frivol zum Ritualmord zu stempeln, hat in seiner gestrigen Nummer einen Rückzug angetreten. Es leugnet in seiner bekannten charakterlosen Weise ab, dass dies die Meinung seiner Redaktion gewesen, sondern es will von der Stimmung im Volke Notiz genommen haben, das allgemein von einem Ritualmord sprach Nur die untersten Schichten der Bevölkerung, der unwissende, tiefstehende Pöbelhaufen kann dem Leichenfunde eine solche Deutung gegeben haben. Darin, dass das Blatt dieses Urteil des blinden Fanatismus aufnahm, den Pöbel in seiner Meinung suggestiv bestärkte und diese beklagenswerte Mordtat, über deren Ursache und Täter noch nicht das Mindeste erbracht war, zur Aufwieglung gegen die jüdische Bürgerschaft und vor allen Dingen für seine eigenen, geschäftlichen Zwecke ausnutzen wollte, darin liegt ein so hoher Grad von Verworfenheit, dass das Blatt wohl nun auch in seinen eigenen Kreisen genügend gekennzeichnet ist. Die Blutmär von dem Ritualmord wäre ein brillantes Propagandamittel gewesen. Wie wir gestern erwähnt, hatten wir lange schon vorausgesagt, dass das Blatt sich bei Gelegenheit eines solchen bedienen würde. Nun, unsere Voraussetzung ist eingetroffen. Die krampfhaften Versuche des Blattes, eine frivole, aufhetzende Beschuldigung zurückzuziehen, ist auch keineswegs auf die Initiative seiner Redaktion zurückzuführen, sondern