Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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19 Delegierter H i c k ] (Schaffa) erklärt namens der nationalen Juden, dass nationale Politik von wirtschaftlicher Politik nicht zu trennen sei. Die Juden dürfen nur eine jüdische Politik betreiben. Redner beantragt, dass die Delegierten-Versammlung ein Exekutivkomitee einsetze, welches die Aktion weiterführen und zum Zwecke der Durchführung der heutigen Beschlüsse in den betreffenden Wahlkreisen Bezirksversammlungen abzuhalten hätte. Referent Sekretär Fleischer erblickt in der heutigen Versammlung einen erfreulichen Fortschritt in der politischen Organisation der mährischen Judenschaft. Er akzeptiert den Antrag, dass die Versammlung ein eigenes politisches Organ schaffe, an welches die „Union" die bisherigen Agenden gerne abgeben werde. Es sei ja auch dies schon in der Vertrauensmänner-Versammlung in Aussicht genommen worden. Bei der Abstimmung werden die Referentenanträge zum Beschlüsse erhoben und in das Exekutivkomitee gewählt die Herren Dr. Hieronymus Fialla, Dr. Ludwig Körner, Dr. Gustav Zweig, Dr Theodor Haas, Dr. Hermann Hamlich und Dr. Berg. Nachdem noch der Vorsitzende der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" und deren Sekretär für die geleistete verdienstliche Vorarbeit den Dank der Versammlung ausgesprochen, wurde die Delegierten-Versammlung für geschlossen erklärt. Das gewählte Exekutivkomitee trat sofort zur Durchführung der ihm zugewiesenen Aufgaben zusammen. Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Ritualmordhetze vor Ostern Unter der gewerbsmässigen antisemitischen Verleumderpresse steht die in Stettin erscheinende „Deutsche Hochwacht", das Organ des Deutschen Volksbundes, obenan. Wie das Blatt immer noch — übrigens als einziges antisemitisches Pressorgan — den traurigen Mut besitzt, die Wiederkehr des Todestages des Konitzer Gymnasiasten Ernst Winter zu demagogischer Hetze gegen die Juden zu benutzen, so hält es auch regelmässig vor Ostern Umschau nach dem fälligen „Ritualmord". In der Nummer 83 vom 8. d. M. veröffentlicht das Schandblatt, nachdem es schon in der vorhergehenden Nummer die Leser durch eine entsprechende Ankündigung vorbereitet hatte, im Sperrdrucke folgende infame Notiz.: Soll das wieder totgeschwiegen werden? Für unsere Meldung von einer entsetzlichen Bluttat, die wir noch in keinem Blatte weiter gefunden haben, traf heute eine weiteie Bestätigung ein. Danach wäre in Posen am Bahnhofe eine Kiste von Beamten geöffnet worden, worin man einen acht- bis neunjährigen Knaben fand, 2*