Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Für die Entscheidung der Delegierten Versammlung sei auch der Gesichtspunkt des Verlustes der deutseben Schulen wichtig. Wenn sämtliche Mitglieder einer Judengemeinde sich in den tschechischen Kataster eintragen, dann wird es dieser Gemeinde nicht mehr möglich sein, ihre deutschen Schulen zu erhalten. Nach der Meinung des Vorredners solle durch die Wahl jüdisch-nationaler Kandidaten den Deutschen eine Stimme entrissen werden. Eine solche Illoyalität dürfe man nicht empfehlen. Oft sei eine einzige Stimme auch für die jüdischen Interessen, wie zum Beispiel für die Erhaltung der deutschen Schulen oder die Abänderung der Gemeindeordnung entscheidend. Dr. Körner beantragt, die Beschlüsse der seinerzeitigen Vertrauensmännerversammlung der „Union" vollinhaltlich aufrechtzuerhalten. Delegierter Dr. Zweig (Prossnitz) wünscht, dass in der heutigen Verhandlung nicht die trennenden, sondern die einigenden Momente hervortreten mögen. Das wird aber unmöglich gemacht, wenn heute schon nach dem Programme der künftigen jüdischen Kandidaten gefragt wird. Alle Sonderwünsche müssen zurückgestellt werden, weil die Juden sich als ein selbständiger politischer Faktor konstituiert haben. Die Eintragung in den deutschen Kataster — so weit dies möglich erscheine.— sei im Jnteresse der Judenschaft gelegen und wird nicht aus Rücksicht für diese oder jene politische Partei empfohlen. Wenn wir den alten jüdischen Gemeinden raten, sich in den deutschen Kataster einzutragen, so sichert das auch das Schicksal der politischen Judengemeinden für absehbare Zeit, denn die Aenderung der mährischen Landesordnung sei von einer qualifizierten Majorität abhängig, und diese Majorität können die Tschechen allein nicht aufbringen. Die derzeitigen politischen Judengemeinden seien aber ein wahrer Segen für die Judenschaft geworden. Das ist „Klein-Zion" in der betretenden Stadt Diese Bastion zu erhalten, hängt von dem guten Willen der Deutschen ab. Wenn aber die Deutschen an den Wahlstimmen der Juden kein Interesse mehr hätten, dann würden sie leicht die Hand dazu bieten, die politischen Judengemeinden aufzuheben, um dafür andere Konzessionen auf nationalem Gebiete einzutauschen. Redner betont, dass die Entscheidung der heutigen Delegiertenversammlung gewiss nicht ungefährlich sei, die Gefahr des Boykotts bestehe immer, sie bestehe aber auch bei einer etwaigen gegenteiligen Entscheidung. Der Vorschlag der „Oesterreichisch-Israelitischen Union", zu dem er seinerzeit als Zionist selbst die Anregung gegeben, entspricht allen Bedingungen. Auf dieser Basis können sich die Juden aller Richtungen zusammenfinden. Redner beantragt daher gleichfalls den Vorschlägen des Referenten zuzustimmen. > Delegierter H a m 1 i c h erklärt, sich den Ausführungen des Vorredners zu akkommodieren und zieht seinen Antrag, dass jüdisch-nationale Kandidaten aufzustellen seien, zurück.