Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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1/ hatten sich entschuldigt die Herren: Stein (Zwittau), Jakob Stern (Mähr.-Aussee), Friedländer (Mähr.-Ostrau), Beer (Holleschau), Rabbiner Dr. H. Flesch (Kanitz), Karl Schön (Wall.-Meseritsch), Sigm. Fürst (Ung.-Hradisch), Sigmund Hofmann (Wischau) und Dr. Sigmund Weiss (Boskowitz). Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Herr Dr. Hieronymus F i a 11 a gewählt, welcher die Erschienenen in Vertretung der Brünner Kultusgemeinde herzlichst begrüsste. Das Referat erstattete der Sekretär der „Oesterreichisch- Israelitischen Union", Herr Siegfried Fleischer, welcher, an die im Dezember v. J. in Wien stattgefundene Vertrauensmännerversammlung anknüpfend, folgende A n t r ä g e zur Diskussion stellte: Die Delegiertenversammlung beschliesst: In jenen Wahlbezirken, in welchen die Juden eine verschwindende Minderheit bilden, wird es jeder einzelnen Gemeinde überlassen, sich in den Kataster jener Nationalität einzutragen, zu welcher die betreffende Gemeindevertretung gehört. In den drei deutschen Minoritätswahlbezirken Göding, Auspitz und Mährisch - W eisskirchen jedoch, in denen die Juden einen bedeutenden Bruchteil der gesamten Wählerschaft bilden, wird empfohlen, dass alle Juden sich geschlossen in den deutschen Kataster einschreiben lassen, um so das Schwergewicht ihrer Stimmen bei den Wahlen im Sinne einer jüdischen Interessenpolitik geltend machen zu können. Redner betont, dass sowohl diese Anträge als auch seine Ausführungen bei der seinerzeitigen Informationsreise durch die einzelnen Gemeinden lediglich dem Interesse der Judenschaft entsprechen und dass damit keineswegs beabsichtigt werde — wie dies unrichtigerweise in einzelnen jüdisch-nationalen Blättern dargestellt wurde— die mährischen Juden a priori in das Lager der einen oder der anderen politischen Partei hinüberzuführen. Dr. Harn lieh (Dambofitz) spricht sich für die Eintragung der jüdischen Wähler der genannten drei Wahlbezirke in den deutschen Kataster aus, verlangt aber, dass daselbst jüdische Kandidaten mit jüdisch-nationalem Programm aufgestellt werden. Delegierter Dr. Körner (Göding) erörtert zunächst die Verhältnisse im Gödinger Wahlbezirk, wo voraussichtlich ein jüdischer Kandidat auf deutschliberaler Grundlage gewählt werden wird. Gegenüber dem Vorredner bemerkt Dr. Körner, dass die wirtschaftlichen Interessen bei der Wahl viel mehr in die Wagschale fallen als programmatische Direktiven. Er muss daher den Vorschlag des Vorredners, dass jüdisch-nationale Kandidaten aufgestellt werden, ablehnen. Ein solcher Beschluss wäre so viel wie gar kein Beschluss, weil im Gödinger Bezirke ein derartiger Kandidat nicht die mindeste Aussicht hätte. Die jüdisch-nationale Bewegung sei durch unreife Elemente stark diskreditiert worden. 2