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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-04-01 · 4 (4.1906) · p. Seite 12

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
4 (4.1906)
Date
1906-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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war gekommen, um das Israelitenvolk zu verwünschen und die Feinde zum Kampfe gegen dasselbe zu ermutigen und bat anstatt Tadel und Fluch Lob und Segen äussern müssen; so kam es, dass noch manchen seiner Worte das Gepräge der bösen Absicht, für welche sie vorbereitet waren, anzumerken ist. Der Umstand, dass sich Israel in anders gearteter Umgebung, auch unter Verhältnissen, die den vollen Untergang eines jeden anderen Volkes herbeiführen müssten, in Folge seiner religiösen Eigentümlichkeit forterhält, ist gewiss ein Vorzug, dem eine weittragende Segenskraft innewohnt, er birgt jedoch auch einen Nachteil, der sich sehr leicht bis zum Fluche steigert. Wenn sich in all unserem Tun und Lassen die ethischen Moti\re uuserer religiösen Absonderung bekunden, wenn wir als gute, rechtschaffene, treue Menschen Gott dienen und seinen Namen verherrlichen, bedeutet der eigentümliche Umstand Segen, halten wir uns aber nur an Bekenntnis und Form, ohne deren geistigen Gehalt in die Gesinnung aufzunehmen und unsere Handlungsweise darnach zu bestimmen, werfen sich die sittenfaulen Elemente der Umgebung zu unseren Richtern auf und machen uns durch Anfeindung, Zurücksetzung und Bedrückung die Betätigung der ethischen Normen unserer Religion ungemein schwer oder geradezu unmöglich, und auf der dadurch entstehenden Verwirrung der moralischen Begriffe lastet ein Fluch. Heuchler, die wie einst Bilam Segen auf den Lippen und Fluch im Herzen getragen, haben Israel im Mittelalter in eine sojche Lage gebracht und ihre Epigonen sind noch heute beflissen, dieselbe wo nur möglich zu erhalten oder zu erneuern. Dem gegenüber ist es unsere strengste religiös-sittliche Pflicht, alle Kräfte zu regen, um den Fluch, mit dem die Anwartschaft auf bodenlosen Hass und verächtliche Verachtung verbunden ist, für die Dauer abzuwälzen. Das kann und soll und muss und wird durch eine mit der Aufhellung der religiösen und moralischen Begriffe Hand in Hand gehende Schaffung gesunder Eihaltungsbedingungen geschehen Von Berufen, die das Gewissen nur wenig oder gar nicht auf die Probe stellen, zumeist abgedrängt, müssen wir gerade solchen, wo sie uns nur immer zugänglich sind, zustreben, und wo waren derartige für die Massen in einem so ausgiebigen Masse zu finden, wie in einem eigenen Lande?! Es ist höchste Zeit, dass wir uns endlich in allen Stücken auf unsere Mission besinnen. Wir sind Nachkommen von Blutzeugen, die bis zu ihrem letzten Atemzuge bezeugt haben, dass Gott der Weltenschöpfer von Ewigkeit zu Ewigkeit der Einzige und Alleinige ist, und wir sind selbst Zeugen, dem Prophetenworte gemäss: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, und mein Diener, den ich erwählt, auf dass ihr erkennet und mir glaubet und verstehet, dass ich es bin. Vor mir ward kein Gott gebildet und es wird nach mir keiner entstehen." (Jesaia 42. 10.)

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