Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 heit der jüdischen Gottesidee, des Kechtes aller Menschen, wer das Judentum erfasst hat von diesen Begriffen aus, die nur Gipfelpunkte der jüdischen Ethik bilden, dem kann man das Judentum nicht nehmen. Es ist nicht üblich, in unserer Z ei t diesen Standpunkt öffentlich zu betonen, denn die jüdische Intelligenz ist nicht minder zum grossen Teile wie dieVert reter der katholischen und protestantischen Exegese von der falschen Ueberzeugung erfasst, als hätten wir der Welt nichts mehr zu sagen, als wenn alle Werte, die uns.ereThora, unserePropheten, unsere Talmudweisen entdeckt undent wickelt haben, als wenn sie durch die moderne Zeit entwertet wären. Wir müssen unserer Intelligenz begreiflich und klar machen, dass jüdische Sittlichkeit von keiner Ethik überholt werden kann. Wir müssen der jüdischen Intelligenz begreiflich machen, dass die Kultur werte, die das Judentum entdeckt hat, unübertrefflich und ewig sind: wer das nicht einsieht, ist nicht wert, ein Jude, zu sein. Existieren wollen, ist auch eine M i s s i o n, und wir existieren drauf los. Wir führen eine Existenz, indem wir Ideen zum Ausdrucke bringen, die sonst ungetrübt nicht zu finden sind; und mit Bedauern müssen wir gestehen, dass die Idee der wahren Nächstenliebe und die des wahren Wertenfriedens von dem die Propheten sprechen und den sie in die weiteste Zukunft hinausschieben, dass diese Ideen nirgends ungetrübt zu finden sind. „Wie viel Israel von der Menschheit, der es die Religion gegeben hat, die Beligion kat'exochen, denn kein Volk hat der Menschheit die Religion gegeben, sondern nur eine Religion, an Gerechtigkeit empfängt, ist ein Gradmesser der Kultur." Schon in der Zugehörigkeit zum Judentum liegt ein idealer Kern und bloss dabei zu sein, ist schon ein Ideal; und Ideale kann nicht jeder haben. Die gegenwärtige Lage des Israelitenvolkes im Lichte seiner antiken Geschichte. Von Leopold Mandl. IV. „Es ist das ein Volk, das abgesondert wohnen und unter anderen Völkern nicht inbegriffen sein wird",*) lautet ein Satz der widerwillig gesprochenen Segensworte des Zauberers Bilam. Er *) Numeri K. 23, 9.