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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-04-01 · 4 (4.1906) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
4 (4.1906)
Date
1906-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Sabbathidee hat ein Prophet, der die Messiasidee durcharbeitet und der mit malerischem Pinsel die Herrlichkeit der Messiaszeit schildert, der alles Lippenwerk verabscheut und alles, was Formel ist, aus dem Judentume ausgemerzt wissen will, hat der zweite Jesaias den Satz ausgesprochen: „Wohl dem Menschen, «der solches tut, wohl dem Menschenkinde, das dies festhält, den Sabbath heiligt und nicht entweiht, und wahrt seine Hand, dass er nichts Böses tut!" Der grosse Prophet fällt, so sagt man töricht, ins Gesetz zurück, er verlangt, dass man den Sabbath mit all seinen Minutien heiligt. Anstatt umgekehrt zu sagen, wie gross ist die Idee des Propheten und welchen Wert muss für ihn der soziale Ruhetag; der für die Armen und dieElenden geschaffen ist, haben, wie hoch schätzt er den Sabbath, wenn er ihn neben die Idee der Menschenliebe stellt. Das ist nichts anderes als die höchste Potenz der befremdlichen Nebeneinanderstellung in der Thora: „Jeder soll Vater und Mutter ehren und meine Sabbathe halten!" womit im Grunde nichts anderes gemeint sein kann, als, dass wie die Hoheit der Grundidee einleuchtet, dass man Vater und Mutter ehrfürchten soll, so auch für die Heiligkeit des Sabbaths der Grund sein muss, dass die Menschheit einenSabbath braucht; Ruhe und Erholung, erhebender Seelenfriede ist der Sabbath. Der Anspruch des Niedrigsten und Kleinsten in der ganzen Menschheit auf Freude, Festesfreude und Lebensfreude wird betont. Der Rechtsanspruch auf Müsse und Geistesbildung! Dieser Anspruch wird so wie beim Sabbath, bei allen Festen betont, so auch beim Laubhüttenfest, welches nach der Auffassung der Propheten als Volks verbrüderungsfest gedacht ist. Kindlich klingt das Wort der Weisen und Propheten. Das Kindliche und Naive ist aber nicht immer das Schlechte. Als das Gebot erging, man solle am Tage des Laubhüttenfestes die Palme und die Bachweide in die Hand nehmen, sollen alle Bäume in Jubel ausgebrochen sein und alle Gräser in die Hände geschlagen haben vor Freude; der hochragende Baum, dass das kleine Gras mit, ihm den gleichen Wert habe, das kleine Gras, dass es gleichen Wert habe wie der hochragende Baum. Darin liegt die Idee der Verbrüderung aller, des gleichen Anspruches a u f F re u d e. auf Lebensfreude. Das Judentum betont die Lebensfreude. Es gibt uns nicht viel Anweisung auf das Jenseits. Das Judentum betont das Leben." „Wähle das Leben", sagt die Thora. „Das ist die Arbeit", sagen die Weisen. „Durch die Pflicht soll man leben", sagen die Weisen und sie versteifen sich zu dem Gedanken : „Besser eine Stunde der guten Tat in dieser Welt, als alle Seligkeit des zukünftigen Lebens." An dieser Festesfreude, Lebensfreude nehmen alle teil: EYemdling, Magd und Knecht; auch der Fremdling, der dem jüdischen Volke und der jüdischen Religionsvorstellung kein „alienus", kein „barbaros", sondern ein Nebenmensch, ein Bruder ist.

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