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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-04-01 · 4 (4.1906) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
4 (4.1906)
Date
1906-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 nung für das Ende, aber das Judentum kennt kein Ende der Hoffnung. So werden die Propheten ohne Absicht zu sozialen Ethikern; und eine andere Ethik als eine soziale Ethik hat in unserer Zeit keine Berechtigung, das ist die einzige Ethik, die die moderne Zeit anerkennt. Die soziale Ethik ist der Boden der Propheten und alle jüdische Ethik ist Sozialethik. Ein solcher Grundbegriff, ein sozial-ethischer Grundbegriff, ein gesellschaftlich-sittlicher Grundbegriff, den wir alle kennen, der uns so unendlich nahe liegt, dass wir seine Bedeutung kaum bemerken, ist die S a b b a t h i d e e. Das Mittelalter lässt in der Walpurgisnacht den Hexensabbath feiern. Ein eigentümliches Wort. Es wird uns nicht wundern, denn das Mittelalter konnte so wenig wie die Griechen und Römer die Sabbathfeier der Juden begreifen, die bei verrammelten Türen gefeiert wurde. Das fällt zusammen mit der Superstitio Judaica, wie der unsichtbare Gott, der einzige Gott, das sittliche Gesetz, das keine Freude, nur Entbehrungen kennt. Die Sabbat hidee ist eine sozial-ethische Idee. Alle Völker haben Ruhetage, kein Volk der WTelt hatte aber einen wöchentlichen Ruhetag ausser dem jüdischen. Natürlich ist der christliche Sonntag nicht minder jüdisch als der jüdische Sabbath. Die Römer haben den Sabbath dem Saturn geweiht, an dessen Festen die Knechte mit den Herren an einem Tische zusammenspeisten. Nun ist bald der Karneval vorüber, der seinen Namen von „carrum navale" hat, von einem merkwürdigen Schiffe, das auf Rädern geht, um die verkehrte Welt darzustellen. Alles ist verkehrt, die Knechte werden zu Herren, die Herren zu Knechten. Das ist alles, was für dieKn echte abfällt. Nach altjüdischer Auffassung ist die Idee des Sabbaths eine der erhabensten. Er ist ein Ruhetag für die arbeitenden Klassen. Die Sabbat hidee enthält in sich nicht nur die Idee der Ruhe, sondern auch die Pflicht zur Arbeit. „Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten, am siebenten sollst du ruhen!" Schon vom ersten Menschenpaar im Paradies wurde gesagt, dass es dorthin gesetzt wurde, es zu bearbeiten. Unsere talmudischeit Weisen sagen : ,.Etwas Grosses ist die Arbeit, auch im Paradies mussten die Menschen arbeiten." Vom Manna sagt die Heilige Schrift, dass es, wenn die Sonne schien, zerfloss. Ebenso sagt sie: „Im Schweisse deines Angesichtes sollst du dein Brot essen!" Wenn also,die Juden in der Wüste um das Manna nicht zu arbeiten brauchten, so sollten sie wissen, dass die Arbeit Schweiss kostet. Es ist tief und bedeutend, wenn die S. sagt: „Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebenten sollst du ruhen 1" und wenn sie für die „Ruhe" der Knechte und Mägde denselben Ausdruck wählt, der für die

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