Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Präsident der Bodenkreditanstalt, Präsident der Nordwestbahn, Vizepräsident der Ersten Wiener Sparkasse. Der mehr würdenals würdevolle Herr sitzt auch im — Vorstand der Wiener israelitischen Kultusmein d e! Er hat, als seinerzeit für die Opfer der russischen Plündererbanden gesammelt wurde, gewiss auch seine Unterschrift unter die Sammelbogen für Kischinew gesetzt. Auch heute verlangt er Geld für Kischinew, aber in anderem Sinne als damals; heute begehrt er Gelder zur Inszenierung von neuen Kischinews. Die russische Regierung, die sich drei Wochen vor der ersten Dumasitzung die Säckel füllen will, wird, hat sie nur erst Geld in der Tasche, die russische Freiheitsbewegung, die eben so überwältigende Wahlsiege errungen hat, zweifellos wieder im Blute der Juden zu ersticken suchen. Geld für Kischinew! Herr v. Taussig, der erste Mann der Wiener Judengemeinde, wird es Herrn Durnowo bereitwillig zu Füssen legen. Was Herr v. Mendelssohn, der längst gewässerte, in Berlin nicht mehr zu tun wagt, der Wiener Kultusgemeindeführer Taussig tut's knapp nach seinem Passahfest, das der Erinnerung an die Unterdrückung in Egypten geweiht ist. . ." Gedanken über altjüdische Ethik und Sozialethik der Gegenwart. Ein Vortrag von Dr. D. Feuchtwaiig. Wie reiht sich die Besprechung meines Themas in den Zyklus von Vorträgen über jüdische Geschichte ein, die der Vorstand unserer Gemeinde in verdienstvoller Weise eingeführt hat? Nicht ohne leisen Widerspruch schritt ich an die Behandlung dieses Themas. Ich fragte mich: Gehört die Behandlung dieses Gegenstandes in die jüdische Geschichte? Darauf gab ich mir die Antwort: Nicht bloss die Behandlung von Tatsachen, Persönlichkeiten, nicht bloss Person und Bild ist Geschichte, sondern nach dem übereinstimmenden Urteil der Geschichtsforscher der modernen Zeit ist die Darstellung moderner Geschichte die Darstellung der Ideen, der Tendenz, der Begriffe, die aus den Tatsachen, die die Geschichte darstellt, hervorgehen. Die Antwort lag nun zu Tage, dass die Behandlung dieser Frage Geschichte ist; sie ist mehr als das, sie ist die Behandlung des Schicksals unseres Volkes. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, dass die letzten Jahrzehnte in hervorragender Weise sich für den Orient interessieren, und unter den Völkern des Orients wieder insbesondere für die semitischen Völker, und unter den semitischen Völkern in erster Reihe für das Volk Israel; in erster Beihe, weil dieses das bedeutendste Kulturvolk der Semiten war. Nicht den l*