Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 4 (4.1906)
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Die russische Anleihe und die Judenfrage. Der Vorstand der „Oesterr.-Israel. Union" hat in der Sitzung vom 21. d. M. einstimmig nachstehenden Beschluss gefasst: „In Erwägung, dass alle Bedrückungen, Verfolgungen und Niedermetzelungen unserer Glaubensbrüder in Russland unter Gutheissung, ja unter tätiger Mithilfe der russischen Regierung erfolgt sind, in Erwägung, dass die Befriedigung des Geldbedürfnisses der russischen Regierung gleichbedeutend ist mit der Förderung der gewalttätigen Absichten dieser Regierung gegen die Freiheitsbewegung und gegen die Juden, deren Existenz mit dem Siege jener Bewegung unlösbar verknüpft ist, hält es die Leitung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" für ein zwingendes Gebot der Ehre, dass die Judenschaft jede Solidarität zwischen sich und jenen jüdischen Finanzmännern, die unter Zurückstellung ethischer Pflichten hinter das Geschäft die Beteiligung Oesterreichs an der russischen Anleihe vermittelt haben, vor der 0 Öffentlichkeit ablehne. Die Vereinsleitung erwartet vom Vorstande der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, als der berufenen Repräsentanz der Juden Wiens, dass auch er seinerseits durch eine klare Manifestation die Solidarität mit demgekennzeichneten, die Ehre der österreichischen Judenschaft schädigenden Vorgehen öffentlich ablehne. Vorstehende Resolution wird auch der Generalversammlung vorgelegt und zur Annahme empfohlen werden. * * * Geld für Kischinew. Die „Arbeiter-Zeitung" vom 20. d. M. schreibt: „Wie lang ist's her, dass das Gejammer von Kischinew über die Erde schallte? Wie arg ward da von allen Ueberjuden jenen Leuten zugesetzt, die durch die bluttriefendsten Schilderungen nicht aus dem Gleichmut des Denkens gerüttelt werden konnten! Die Wiener israelitische Kultusgemeinde ist damals (und mit vollem Rechte) an der Spitze der Entrüstungs- und Hilfsaktion zugunsten der gepeinigten russischen Juden gestanden. Wie wurden die Zweifler gescholten und beschimpft, die damals rieten, sich einen Teil der Entrüstung auch noch für die kommende Stunde aufzubewahren und warm zu halten, in der Russland zu diesen selben Juden Europas wieder kommen wird, um Millionen zu verlangen? Die Stunde ist jetzt da. Drei Wochen vor der ersten Sitzung der Duma! Und während Deutschland, England, Italien, Belgien und Amerika ihre Kassen zusperren, ist es in Oesterreich Herr von T a u s s i g, der den Russen Gelder der österreichischen Banken zuführen will. Herr Theodor Ritter von Taussig ist nicht nur