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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. Seite 22

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 gung der Juden an einzelnen Delikten existiert folgende Statistik: Die Zahl der im Durchschnitt derJahie 1892 bis 1901 verurteilten Christen verhält sich bei den nachgenannteu Delikten zu der der Juden wie 100 zu 1400 strafbarer Eigennutz (Veräusserung von Lotterielosen gegen Teilzahlungen, Uebervorteilung Minderjähriger, Vorenthaltung des Rechnungsauszuges bei Geld- und Kreditgeschäften und anderer Fälle), 13( 0 Wucher, 1100 Vergehen gegen das geistige Eigentum, 890 betrügerischer Bankerott, 730 verbotene Beschäftigung von Arbeiterinnen und Jugendlichen, 680 Sonntagsruhe und Ladenschluss, 610 Konkursdelikte und Bankerott, 490 Hehlerei in Rückfällen, 470 Nahrungsmittelfälschung, 400 gewerbs- und gewohnheitsmässige Hehlerei, 360 Zweikampf, 340 Unterdrückung von Urkunden, 330 Verletzungen fremder Geheimnisse, 33 schwerer Diebstahl, 33 gefährliche Körperverletzung, 30 Gewalt und Bedrohung gegen Beamte '24 einfacher Rückfall in Diebstähle, 24 Sachbeschädigung, 23 Widerstand gegen die Staatsgewalt, 22 schwerer Rückfall in Diebstähle, 21 Blutschande, 21 Raub und räuberische Erpressung, '20 fahrlässige Eisenbahngefährdung 18 Brandstiftung, 18 Amtsverbrechen, j6 schwere Körperverletzung, 13 Befreiung von Gefangeneu, 2 9 Jagd- und Fischereivergehen. Diese Uebersicht hat den Mangel, dass sie nur die Extreme zeigt. Es fehlen alle die Delikte, wegen deren ein Jude in zwei Jahrzehnten überhaupt nicht verurteilt worden ist. Dazu gehören : Hoch- und Landesverrat, Unzucht unter Missbrauch eines Vertrauensverhältnisses, Mord, Kindestötung, passive Bestechung. De n Vermögensdelikten liegt keine Rassen-, sondern eine Berufs Ursache zu Gruude. Verbrechen sind krankhafte Erscheinungen im Leben einer bestimmten Gesellschaftsgiuppe. Landwirtschaft, Industrie und Handel haben ihre bestimmten Straftaten. Das hat Dr. Lindenau iu 23. Bande der „Zeitschrift für Strafrecbtspflege" überzeugend nachgewiesen. Bei den Angehöligen des Handels steht Wucher als Straftat an erster Stelle, 26mal so stark wie im Durchschnitt die jüdische Bevölkerung. Sie ist am Handel mit 5i'5ö Prozent beteiligt, die gesamte Bevölkemug Deutschlands nur mit 9*644 Prozent. Dies erklärt die starke Anteilnahme bei den Vermögensdelikten. Die jüdische Kriminalität kann und inuss all die Schäden aufweisen, die der Handel überhaupt zeigt. Daneben sprechen noch Wohlstand und Bildung, städtischer oder ländlicher Wohnsitz mit. D i e jüdische Bevölkerung unterliegt nicht einer besonderen Rassenkriminalität, wie die Antisemiten durchaus uuwissenschaftlich behaupteu, sondern sie untersteht dem Gesetze der allgemeinen Kriminalität, die vom Beruf ausgeht. (Lebhafter Beifall.) Rechtsanwalt Horovitz begrüsste die Generalversammlung im Kamen des „Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Zum Schluss wurde der aus 80 Personen bestehende Gesamtvoistand per Akklamation gewählt. Den engeren Vorstand bilden: Dr. Theodor Barth, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Wilhelm Förster, Stadtrat H. F 1 i n s c h und Charles Hallgarten- Frankfurt a M. Berlin. (Leichenschändung aus Aberglauben.) In Moschin {Posen) wurde vor etwa einem Jahre das Grab eines verstorbenen Kaufmannes auf dem jüdischen Kirchhofe geöffnet, der Kopf von der Leiche getrennt und entwendet. Jetzt wurde ein Landmann aus dem Dorfe Baranowo verhaftet. Bei einer Durchsuchung seines Anwesens fand man Köpfe und verschiedene andere menschliche Körperteile in einer Futterkiste. Der Grund zu der Tat soll Aberglaube sein; der Mann stellte die Leichenteile deshalb in die Futterkiste, damit seine Pferde vor Unglück bewahrt bleiben und gut gedeihen sollten. Bern. (Vorlesungen über „Toleranz".) Auf Anregung des Herrn Professor Dr. Stein sind an unserer Universität Sondervorlesungen über „Toleranz" eingerichtet worden, an denen sich mehrere hervorragende Universitätslehrer beteiligt haben. Es ist die ausgesprochene Absicht, durch diese Vorlesungen bei aller wissenschaftlichen Objektivität die Auerkennung der

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