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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 Völker untereinander und die gegenseitige Wertschätzung der Rassen zu fördern und pseudo-„wissenschaftlichen" Volksbewegungen, wie dem Antisemitismus mit seinen russischen Konsequenzen, entgegenzutreten. Wie nötig das auch in der freien Schweiz ist, zeigt ein Technikum in Biel. Dort rühmte sich einer der Hörer, ein Russe aus Kisehenew, dass er mit seinen Freunden an den Pogromen von Kisehenew teilgenommen, gemordet, misshandelt und ärgeres verübt habe. Daraufhin verlangten die jüdischen Studenten des Technikums die Entfernung des sauberen Patrons. Nun geschah das Unglaubliche : Siebzig Schweizer Studenten erklärten sich mit dem Kischenewer Kommilitonen solidarisch und drohten mit ihrem Austritte, falls dem jungen Herrn ein Haar gekrümmt würde. So ist der Antisemitismus — nein die Barbarei — in ihrer rohesten Form an einer schweizerischen Hochschule offiziell als gleichberechtigt anerkannt worden. Paris. (Ironie der Geschichte) Es ist von Interesse, zu beobachten, wie man in Spanien, wo die Juden einst mit Feuer nnd Schwert ausgerottet und vertrieben wurden, in unserer Zeit damit rechnet, eben dnreh diese vertriebenen Juden, die sogenannten Spaniolen, den spanischen Ausfuhrhandel zu heben. Bei einer Beratung des spanischen Senates über die Frage einer staatlichen Unterstützung des in Bilbao zu errichtenden Handeigmuseums, das der Förderung des Ausfuhrhandels nach dem lateinischen Amerika dienen soll, sprach der Senator Pulido den Wunsch aus, diesem Handelsmuseum auch einen ähnlichen Wirkungskreis bezüglich Marokkos und des Orientes su übertragen. Er wies dabei darauf hin, dass die im Oriente in grosser Zahl lebenden Juden spanischer Muttersprache (Spaniolen) von nicht zu unterschätzender Bedeutung für ihre einstige Heimat, insbesondere für den spanischen Aussenhandel werden können, indem es beispielsweise bereits gelungen sei, in Saloniehi, wo ungefähr 80.000 Spaniolen leben, eine mit den Ausfuhrhäusern von Barcelona in lebhafter Verbindung stehende spanische Handelskammer zu errichten. London. Der „Times" wird aus Petersburg gemeldet, dass dort allgemeine Entrüstung über ein Pamphlet herrscht, in dem das Volk zur Ermordung der Juden aufgefordert wird. Die Urheber des Pamphlets sind die antisemitischen Zeitungen „Zaria" und „Nowoje Wremja"; gedruckt wurde es in der Polizeipräfektur und wurde dort auch mit dem Stempel des Zensors versehen. Witte wird darin beschuldigt, der Anstifter der jüdischen Anschläge zum Ruine Russlands zu sein. Die Staatsanwaltschaft verhält sich vollständig passiv und tut nichts, um die Verbreitung des Pamphlets zu hindern. Hinter dem Pamphlet steht auch die sogenannte „Union des russischen Volkes", die „Patrioten" anwirbt und unter ihnen Revolver verteilt.

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