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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Ritualmordhetze in der Schale. Unser Vertrauensmann schreibt uns aus Drohobycz: Ein Lehrer des hiesigen Gymnasiums erlaubt sich seit einer Eeihe von Monaten tagtäglich während des Unterrichtes Schmähungen und Schimpfworte gegen Juden und Judentum. Ausdrücke wie „Jüdischer Betrüger", Jüdisches Schwein" usw. sind noch die gelindesten, deren er sich bedient. Montag um 4 Uhr kamen die jüdischen Schüler der 5. Klasse zum Eabbiner in ausserordentlicher Erregung und erzählten ihm, Herr Bieganowski habe während der polnischen Stunde die Frage des Ritualmärchens aufgerollt und erklärt, dass es keineswegs ein Märchen sei, sondern nach seiner festen Ueberzeugung eine Tatsache. Die verschiedenen Prozesse wie Ritter, Hilsner usw. haben es zur Genüge bewiesen, allein die Regierungen haben es in dem Augenblicke, wo die Wahrheit ans Licht kommen sollte, vertuscht, um nicht blutige Exzesse gegen die Juden heraufzubeschwören, besonders da die schlauen Juden es verstanden haben, die Richter sogar der höchsten Instanzen und die Aemter zu bestechen usw. Der Rabbiner gmg unverzüglich mit den jüdischen Schülern zur Schuldirektion, schilderte dem Direktor den Vorfall und verlangte eine augenblickliche strenge Untersuchung und ein Verhör der jüdischen Schüler, die draussen harren. Der Direktor versprach zwar, dieser Forderung Genüge zu leisten, wollte aber ein Verhör der Schüler momentan nicht vornehmen; da es den Anschein erweckte, dass er die Angelegenheit nicht ernst nehme und vertuschen wolle, wurde noch an demselben Abend eine Zusammenkunft der Eltern der Schüler dieser Klasse einberufen und bei derselben der Beschluss gefasst, eine Deputation von drei angesehenen Bürgern (Dr. Schuster, Arzt, Dr. Wilder und Kaufmann S. Horowitz) zum Direktor zu entsenden, eine sehr energische Beschwerde vorzubringen und zu fordern: 1. die Suspendierung B i e g a n o w s k i s während der Zeit der Untersuchung, weil man ihm unmöglich mehr nur für einen Augenblick die jüdischen Kinder anvertrauen dürfe; 2. da es im Interesse des Direktors gelegen sei, dass er in einer solchen Angelegenheit keine Verantwortung zu tragen habe, werde ersucht, dass es den jüdischen Eltern gestattet werde, einen Vertrauensmann zu entsenden, der bei der Durchführung der Untersuchung anwesend wäre. Das Letzte wurde aus amtlichen Rücksichten abgewiesen, das Erste zugesagt. Als aber in Erfahrung gebracht wurde, dass der betreffende Lehrer unter der Assistenz des Direktors in dieser Klasse noch weiter unterrichtet habe, was den Anschein erweckte, dass der Direktor damit den Lehrer noch schützen wolle, rief dies eine derartige Erregung in der Stadt hervor, dass für Donnerstag Abend eine Versammlung der jüdischen Intelligenz einberufen wurde, zu der auf eigenes Ersuchen der Schuldirektor

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