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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 rung jeder Verdacht einer tendenziösen oder gar unlauteren Absicht ausgeschlossen. Ich kenne Herrn Dr. Nussbaum seit Jahren als einen durchaus anständigen und rechtschaffenen Charakter von vollster wissenschaftlicher Zuverlässigkeit, den ich für absolut unfähig halte, seine wissenschaftlichen Ueberzeugungen von irgend welchen politischen oder konfessionellen Eücksichten beeinflussen zu lassen, geschweige denn anderen gegenüber eine Täuschung zu verüben. Ich habe schon in meinem Vorworte den streng wissenschaftlichen Charakter des Nussbaumschen Buches betont und als besonderen Vorzug desselben hervorgehoben, dass es keine Tendenzschrift sei. Selbstverständlich hat sich an diesem meinem Urteile über das Buch durch die Wirkungen, die es auf der einen und der anderen Seite verursachte, nichts geändert. Wenn man von „Tendenz" spricht, so müssen wir uns erst klar werden, was unter diesem Worte zu verstehen ist. Jede bewusste Tathandlung eines Menschen geschieht aus einer Absicht, einer Tendenz. Auch Dr. Nussbaum hat mit seinem Buche zweifellos die „Tendenz" verknüpft, seiner wissenschaftlich begründeten Ueberzeugung von der Schuld der österreichischen Justiz und von der Unschuld Hilsners zu allgemeinem Durchbruche zu verhelfen. Die Frage ist nur, ob er dies mit ehrlichen oder unehrlichen Mitteln, auf Grund der wirklichen oder auf Grund entstellter Tatsachen getan hat. Und da kann ich nur sagen, dass ich von Dr. Nussbaums Arbeit den Eindruck vollster Objektivität und kritischer Sachlichkeit empfangen habe. Er ist an die Arbeit nicht mit einer vorgefassten Meinung herangetreten, sondern die Meinung, dass das Verdikt der Geschwornen sich nicht rechtfertigen lasse, dass es, wie ich in meinem Vorworte sagte, „unbegreiflich" sei, ergibt sich aus der sorgfältigen und unbefangenen Prüfung des vorhandenen Tatsachenmateriales. Ob nun dies Material, das nach Nussbaums Angabe von dem Verteidiger Dr. Aurednicek geliefert wurde, ein vollständiges und verlässliches oder ob es, wie die Interpellanten behaupten, ein einseitiges, zu Gunsten Hilsners gefärbtes war, darüber haben sich zunächst die Herren Dr. Aurednicek und Dr. Nussbaum zu äussern. Ich kann hiezu nur bemerken, dass ich Dr. Nussbaum nicht für den Mann halte, der auf Grund unzuverlässigen, unvollständigen oder gar gefälschten Materiales an die Veröffentlichung eines solchen Buches ginge. Und nun die Behauptung, dass mein Name missbraucht worden sei, dass ich das Vorwort nicht geschrieben hätte, wenn i ch vorher gewusst hätte, dass das Buch auf „Fälschung und Entstellung" beruht. Das weiss ich auch heute noch nicht. Was soll das heissen, dass mein Name „missbraucht" wurde? Das setzt eine Täuschung, eine Irreführung voraus, deren Opfer ich geworden sein soll. Zur Widerlegung dieser Behauptung genügt

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