Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 3 (3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Mitteilungen der ..Oesterreichisch - Israelitischen Union". Für die russischen Juden sind bei der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" folgende Spenden eingelangt : Ludwig Hahn in Teltsch K 6.—« Sammlung der Israeliten- Gemeinde Austerlitz K 125.-, zusammen K 181. — Hiezu die bereits ausgewiesenen K 4433.01, Gesamtsumme K 4564.01. Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Der Justizirrtum an Hilsner. Der k. k. Realschulprofessor Josef Sturm hat im Vereine mit seinen christlichsozialen Genossen in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 9. März 1. J. eine von dummen Lügen und rohen Beschimpfungen strotzende Interpellation, betreffend das Buch Dr. Nussbaums über den „Polnaer Ritualmordprozess", an den Leiter des Justizministeriums gerichtet. Als charakteristisch für den Gesichtskreis der Interpellanten führen wir nur an, dass in dem weitwendigen Schriftstücke das alte Märchen von der angeblich durch die „Oesterreichisch-Israelitische Union" veranstalteten „Millionensammlung1 für Hilsner wieder aufgewärmt, dass der „Alliance israelite" die Aufbringung von 35 Millionen Francs für die Befreiung Dreyfus' zugeschrieben, der Untersuchungsrichter Baudisch und andere gerichtliche Funktionäre der Bestechlichkeit geziehen werden und dass endlich Herr Sturm dezidiert erklärt, die Beweisführung im Kuttenberger Prozesse habe die Annahme erhärtet, dass die Polnaer Mädchenmorde jüdische Ritualmorde waren? Das behauptet im bewussten Widerspruche mit dem Urteile des Kassationshofes ein — k. k. Realschulprofessor. Wegen der gleichen Behauptung wurde in Galizien ein Mittelschullehrer disziplinarisch bestraft. In der Reichshauptstadt ist solche Strenge nicht zu besorgen. Hier dürfen christlichsoziale Jugendbildner ungestraft die Lehre des Hasses verbreiten. * * * Zu den Unterstellungen dieser Interpellation haben Geheimer Justitzrat Professor Franz v. L i s z t, der Verteidiger Dr. Aurednieek und Rechtsanwalt Dr. Arthur N u s sb a u m öffentlich Stellung genommen. Professor Franz v. Li s z t, der am 15. d. M. zum Zwecke eines Vortrages in Wien weilte, empfing einen Mitarbeiter der „N. Fr. Pr." und gab demselben folgende Erklärungen: „Was zunächst die Persönlichkeit des Herrn Dr. Nussbaum betrifft," erklärte Professor v. Liszt, „so ist nach meiner Erfah-