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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-03-01 · 3 (3.1906) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
3 (3.1906)
Date
1906-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 werden kann. Ausgeschlossen ist aber eine spezialistische Ausbildung in jedem operativen Fache, da zu den grösseren Operationen, wie selbstverständlich, nur die Assistenten zugelassen werden. Unter solchen Umständen ist die spezialistische Ausbildung sowohl der jüdischen Aerzte als auch des künftigen Nachwuchses" für immer unterbunden, falls nicht die Juden zur Selbsthilfe greifen. Wenn nun in Prag, wo das Gros der Mediziner und Spezialärzte an der deutschen Hochschule aus Juden besteht, diese in ihrer Ausbildung verändert sind, um wie viel mehr gilt dies für die anderen Hochschulen Oesterreichs, an denen die Juden naturgemäss nur einen geringen Perzentsatz ausmachen." Noch zu erwähnen ist die Angelegenheit der Sekundararztstellen. Jeder klinische, respektive Abteilungschef müsste, sollte man meinen, froh sein, je mehr bezahlte Stellen er für Hilfsärzte zur Verfügung hat. Die Vorstände der deutschen Kliniken im Prager allgemeinen Krankenhause aber verfolgen nichts eifriger als die Beseitigung der wenigen noch bestehenden Sekundararztstellen. Die Gründe sind klar: diese Stellen werden von der Statthalterei durch die Krankenhausdirektion besetzt und nicht durch die Professoren optiert. Das bedeutet einen Eingriff in die Selbstherrlichkeit letzterer, ist aber vor allem deshalb für sie unerträglich, weil die Besetzung nach der Anciennität aus der Zahl der ältesten Externärzte erfolgt, die nun leider durchwegs Juden sind. Denn der arische Arzt erhält nach kurzem Spitalsdienst eine mit festem Einkommen verbundene Stelle oder einen Assistentenposten und hat es eben nicht notwendig, zwei bis drei Jahre auf einen Sekundararztposten zu warten, um sich für den harten Konkurrenzkampf der Praxis durch vieljährige allgemeine oder spezialistische Ausbildung zu rüsten, wie es der jüdische Arzt tun muss. Und nur um der Ausbildung willen werden die Stellen angestrebt, wie jedermann weiss, der die schweren Pflichten unserer Sekundarärzte einerseits, ihre Bezahlung, Wohnungsverhältnisse usw. andererseits kennt. Aber selbst dieser Dornenweg soll dem jüdischen Arzt versperrt werden, und unsere jüdischen Chefs tun wacker mit. — Man könnte auch noch von den Imponderabilien sprechen, unter welchen die jüdischen Spitalsärzte seit etwa fünfzehn Tahren zu leiden haben. Imponderabilien, die aber schwer zu ertragen sind für einen Menschen von Selbstachtung und Feingefühl, Eigenschaften, die unseren jungen Aerzten nicht fehlen. Wenn alles, was in dieser Korrespondenz mitgeteilt wird, wirklich auf Wahrheit beruht, dann müssten.sich in einem Kulturstaate doch noch andere Mittel finden, um jüdischen Aerzten zu ihrem Hecht auf die Wissenschaft zu verhelfen, als die von den Prager Krankenhausärzten jüdischer Konfession verlangte Gründung eines jüdischen Spitals.

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