Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 3 (3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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7 rücksichtigung der operativen Fächer auszugestalten. In der Motivierung der Eingabe heisst es: „Die Zustände im Allgemeinen Krankenhause haben sich unter deutschnationalem Einfluss im letzten Jahrzehnt für die Ausbildung der jüdischen Aerzte derart ungünstig gestaltet, dass ihnen allmählich eine Klinik nach der anderen versperrt wird. Seit dem Jahre 1895, in welchem Herr Professor Wölf- 1 e r die Leitung der deutschen chirurgischen Klinik übernahm, gelang es keinem Juden, eine der vier Assistentenstellen zu erlangen . . . Besonders krass aber sind die Verhältnisse an anderen Kliniken, unter denen in erster Keihe die interne Klinik des Herrn Professors v. Jaksch und die Ohrenklinik des Herrn Professors Zaufal zu nennen sind. An der Klinik von Jaksch ist der antisemitische Einfluss so mächtig geworden, dass nicht nur seit einem Jahrzehnt kein jüdischer Assistent angestellt wurde, sondern auch seit mehreren Jahren kein Externarzt die Möglichkeit einer Ausbildung in diesem wichtigen Fache der medizinischen Wissenschaft geniessen konnte. Dasselbe gilt von der Klinik Zaufal, seitdem der Chef, durch eine langwierige Krankheit an der Leitung der Klinik verhindert, diese dem Dozenten Pifll übertragen musste. Tatsächlich mussten von diesem Zeitpunkte an, wo der Dozent die Führung der Klinik übernahm, sowohl der jüdische Assistent als auch der jüdische Externarzt die Klinik verlassen. Seither ist den Juden die spezialistische Ausbildung in Ohren- und Nasenheilkunde in Prag unmöglich. Aus den mit den Kliniken in enger Verbindung stehenden Instituten für die Lehrfächer „Pathologische Anatomie" und „Gerichtliche Medizin" sind die Juden unter dem Einflüsse der deutschnationalen Chefs Hofrat Professor Chiari und Professor Dittrich verdrängt worden. Als nach langer Zeit Professor Chiari infolge Aerztemangels sich gezwungen sah, einem jüdischen Arzte eine Assistentenstelle zu übertragen, wurde letzterer kurze Zeit darauf, als sich ein arischer Arzt fand, derart zurückgesetzt, dass er seine Stelle niederlegte, da er im Gegensatze zu anderen Kollegen Ehre im Leibe hatte. Professor Dittrich wählte sogar lieber einen arischen Studenten als einen jüdischen graduierten Arzt zum Assistenten. Und selbst die wenigen jüdischen Vorstände beugen sich vor dem allmächtigen deutschnationalen Einfluss und setzen die Juden allenthalben zurück. Hofrat Professor F. J. Pick suchte für die Stelle eines zweiten Assistenten einen arischen Arzt in Prag, Wien und Innsbruck, obzwar an seiner Klinik genügend geeignete Aerzte waren, die nur den einen Fehler hatten, Juden zu sein. Dass die Assistentenlautbahn auch den tüchtigsten jüdischen Aerzten an den nichtoperativen Kliniken verschlossen bleibt, wäre, so deprimierend es für die Betroffenen ist, schliesslich noch zu verschmerzen, da in diesen Fächern auch in der untergeordneten Stellung eines Externarztes eine genügende Ausbildung erworben