Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 3 (3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 mazda verehrt und Angromanjus gefürchtet, seinerzeit, als von Gott bestellter Messias gelten durfte, auch ein von Palästina weit entferntes, einer modernen Kulturmacht unterstehendes Gebiet, in welchem die vielen in der Welt herumirrenden Israeliten eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte fänden, wenigstens für dieselben vorläufig das gelobte Land bedeuten dürfte. Wenn doch wenigstens die Frommen erwogen hätten, dass auch unsere Religion, sowohl ihrer Satzungen als ihrer ethischen Normen wegen, immer dringender einer freien Stätte bedarf, wäre die ganze Reihe von Fehlern unterblieben. Was wir bald nach jenem denkwürdigen Kongresse schaudernd erlebt haben, sollte uns alle ohne Unterschied bewegen, für diejenigen Juden, welche in ihrer bisherigen Heimat nicht bleiben wollen oder können, eine Heimstätte mit autonomer Basis anzustreben. Das kann ganz unbeschadet der Kolonisation Palästinas geschehen und verspricht, wie Geschichte und Erfahrung lehren, eben ohne luftigen Nationalismus am ehesten Erfolg. Leopold Mandl. Wissenschaft und Antisemitismus. Oft genug hat man in den letzten Jahren in Oesterreich Gelegenheit gehabt, die traurige Wahrnehmung zu machen, dass wir noch sehr weit davon entfernt sind, das bekannte Wort des grossen deutschen Gelehrten zu beherzigen, der die Vorurteilslosigkeit als die erste Tugend der Wissenschaft pries. Illustrationen zu diesem traurigen Kapitel gab es bald da, bald dort gerade genug, und die bekannten Pioniere des Antisemitismus in Oesterreich haben fürwahr wenig Grund, sich darüber zu beklagen, „als hätte ihre Lehre auch nicht in jenem Tempel Einlass gefunden, in dem die hässlichen Auswüchse der kleinlichen politischen Kämpfe der Gegenwart nie und nimmer zum Ausdruck kommen sollten", in dem Tempel der Wissenschaft nämlich. Trotz dieser trüben Erfahrung aber wird man durch eine in der letzten Nummer der „Wiener klinischen Rundschau" enthaltene Korrespondenz aus Prag sehr überrascht. Dass es so weit kommen könne, hätte man doch nicht für möglich gehalten. Wir lesen in einem „medizinischen Brief aus Prag": Die Prager Krankenhausärzte mosaischer Konfession haben an die israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz eine Eingabe gerichtet, in welcher die Kultusgemeinde ersucht wird, den Neubau eines jüdischen Spitals so bald als möglich in Angiiff zu nehmen und dasselbe nach dem Muster des Wiener Rothschild- Spitals zu einer modernen Krankenheilanstalt, mit besonderer Be-