Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 3 (3.1906)
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9756662-9603423-9603494--1340-9603497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3 dukt der Entwicklung wie andere Wesenarten, sondern ursprünglich aus der Hand des Schöpfers fertig hervorgegangen; von ihm sagt die Schrift, der Adelsbrief des vernunftbegabten Geschlechtes: „An dem Tage, da Gott den Menschen erschaffen, hat er ihn in göttlicher Ebenbildlichkeit gemacht." Sie sagt eigentlich „nebenher" dasselbe, was mit dem ersten Artikel der Erklärung der Menschenrechte durch die französische Nationalversammlung gesagt worden: „Die Menschen werden frei und gleichberechtigt geboren und bleiben es." Von solchen Privilegien geleitet, haben die Propheten stets das Verhältnis Israels zum Menschengeschlechts im Auge gehabt und waren bemüht, ihr Streben, die Stammesgenossen durch religiöse Sitte von anderen zu sondern, mit einer tiefgehenden, umfassenden Menschlichkeit im Einklang zu erhalten. Es ist gewiss kein Zufall, dass Jecheskiel, der im Exil zuerst der nationalen Neubildung vorgearbeitet, fortwährend mit den Worten „Menschensohn" bezeichnet worden; das hatte den Zweck, die Natur seiner Bestrebungen zu bekunden. Diese wurden von den nachfolgenden Gottesmännern im selben Geiste fortgesetzt und so die Zeit erreicht, wo durch das Auftreten des Perserkönigs Cyrus den von dem babylonischen Drachen verschlungenen Völkerschaften frische Hoffnung aufgedämmert; aus jener rührt die Mitteilung des Propheten: „Und er sprach: Es ist zu wenig, dass Du mir Knecht seiest, um aufzurichten die Stämme Jakobs und die Bewahrten Israels zurückzuführen; ich mache Dich überdies zum Lichte der Völker, auf dass meine Hilfe gelange bis an das Ende der Erde." (Jesaia 49, 6.) In dem Umstände, dass der erweckte Freiheitsdrang der Hebräer von so grossen Gesichtspunkten aus geleitet worden, ist das Geheimniss der Erfolge zu suchen; selbstgefälliger, verbohrter, kleinlicher Nationalismus hätte günstigenfalls zu nichts geführt. Wer hätte unter der Herrschaft eines solchen wagen dürfen,* den Frommen Israels von einem Unbeschnittenen, einem Heiden, der Gott nicht gekannt hat, das zu sagen, was ihnen ein Prophet über Cyrus gesagt hat?! Erwägen wir seine Worte,, sie lauten: „Der von Koresch sagt: Mein Hirte! all mein Vorhaben soll er zur Ausführung bringen, indem er von Jerusalem sagt: Sie werde aufgebaut und der Tempel gegründet. So spricht der Ewige zu seinem Gesalbten zu Koresch, dessen Rechte ich gefasst habe usw."--- Und was für Antwort ist den Leuten, die ob der Ankündigung der Messianität des arischen Helden betroffen waren und an eine Erlösung ohne Zeichen und Wunder nicht recht glauben wollten, erteilt worden? „Wehe dem, der mit seinem Bildner hadert, ein Scherben unter den Scherben der Erde. Spricht denn der Thon zu seinem Bildner: Was machst Du? und Dein Werk hat ja keine Hände? Wehe dem, der einem Vater vorwirft: Was 1*