Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 2 (2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 In dem Hinweise auf Palästina lag die magische Zugkraft, die dem Zionismus die Massen zugeführt, während die Intelligenz sich vornehmlich durch den Umstand, dass endlich für die vielen in tiefstem Elend umherirrenden Brüder und Schwestern eine dauernde uaanfechtbare Heimat gefunden werden soll, der Bewegung angeschlossen. Leider hat sich die Hoffnung auf eine Erlangung des Ahnenlandes als Illusion erwiesen und wird, insolange nicht grundstürzende religiöse und politische Umwälzungen im Morgen- und im Abendlande eingetreten, eine solche bleiben. Eine Kückgabe Palästinas in absehbarer Zeit erwarten, bedeutet genau, mit der Möglichkeit eines der Natur der politischen Weltlage ganz und gar widersprechenden, ausserordentlichen Glückfalles rechnen. Das entzieht indes dem Zionismus nicht die Basis. Israel ist ein Stamm, der eine religiöse Gemeinschaft bildet, deren Angehörige seit Jahrtausenden in Leid und Freud Zions gedenken. Ihm wenden sich die Betenden aus allen Weltgegenden zu, nach der Richtung seiner Lage werden die Verstorbenen in die Erde gebettet, Palästina ist der Boden, auf dem die Patriarchen vor ihrem Gotte gewandelt, unsere Propheten gelehrt, unsere Heroen gewirkt haben; es ist der Fleck Erde, den unsere Vorfahren nahezu fünfzehnhundert Jahre besessen und bearbeitet, das ist und bleibt, in was für Händen es sich immer befindet, unser Land. Unsere Ansprüche darauf sind unverjährbar und wir können sie nicht aufgeben, wenn wir nicht uns selbst aufgeben wollen; denn es ist der Siegespreis des in seiner ethischen Tiefe ganz und voll erfassten, monotheistischen Gedankens, dem in Menschengeschlechte die grosse Zukunft gehört, jene Zukunft, von der es in der Rede des Propheten heisst; „Und geschehen wird es in späteren Zeiten, da wird der Berg des Hauses des Ewigen aufgerichtet sein über den Bergen und er überragt die Hügel und es strömen zu ihm Nationen. Und viele Völker werden ziehen und sprechen: Wohlan, lasset uns hinaufgehen zum Berge des Ewigen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre von seinen Wegen und wir wandeln auf seinen Pfaden, wenn von Zion wird ausgehen die Lehre und das Wort des Ewigen von Jerusalem. Und er wird richten zwischen vielen Völkern und entscheiden über mächtige Nationen, bis in die Ferne, und sie werden umwandeln ihre Schwerter in Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern. Nicht wird erheben Volk gegen Volk das Schwert und nicht lernen sie ferner das Kriegführen. (Micha K. 4. 1—3.)" Es spricht zwar gar nichts dafür, dass die Schaffung eines rechtlich gesicherten Israelitenheims auf dem Boden, bei desseu Verteidigung unsere Vorfahren jeden Stein und jede Scholle mehrfach mit ihrem Blute benetzt haben, früher eintritt als die Zeit, von der der Prophet sagt: „Und es wohnt der Wolf mit dem Lamm und der Tiger neben dem Böcklein usw." (Jesaia K. 11), trotzdem