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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-02-01 · 2 (2.1906) · p. Seite 26

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
2 (2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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26 krüppeln, intellektuell herabkommen und schliesslich allen moralischen Halt verlieren? Wird es Individuen, die, nachdem sie hienieden viele Menschen um ihre heiligsten Güter betrogen, die obere Welt um ewiges Heil prellen wollen, immer gegönnt sein, in Schadenfreude gegen den Himmel schielend, auf die Schmach hinzuweisen, die sie und ihresgleichen über Israel heraufbeschworen? Das klingt zusammen zu einer Frage, der kein von religiösem und Ehrgefühle geleiteter Israelit ausweichen kann. Die in moralisch rückständigen Gebieten von herzlosen Politikern, mit Teufelstücke betriebene Entwürdigung, Entrechtung, direkte oder indirekte Beraubung und systematische Aushungerung unserer Glaubens- und Stammesgenossen hat in weiten Schichten Grade der Armut, des Elends und mannigfachen Jammers gezeitigt, die zur absoluten Verneinung dieser peinlichen Frage führen müssen. Nein, das kann nicht sein und darf nicht so bleiben, und wir müssen alle unsere Kräfte anspannen und das Möglichste aufbieten, dass das der ganzen Menschheit zur Schande gereichende Verfahren nicht weiter solche Verheerungen anrichte und endlich aufhöre! Die Einsicht, dass der Glaube an die Allmacht niemanden berechtigt, mit verschränkten Armen auf Wunder zu warten, wo es den Nebenmenschen ans Leben geht, ist auch in der Tat zum Durchbruche gelangt und die Zeit, wo man das Problem der Erlösung, ohne die vom Schöpfer verliehenen Kräfte zu regen, ganz und gar dem lieben Gott anheimgestellt hat, ist für das Gros Israels um. Weit entfernt, den religiösen Messiasglauben beeinträchtigen zu wollen oder an irgend eine Schilderhebung nach bekannten Mustern zu denken, erachten es alle, denen die heillose Situation der jüdischen Massen zu Herzen geht und ob deren Zukunft mit Bangigkeit erfüllt, als dringende Pflicht, Wege anzubahnen und Mittel zu ersinnen, die zur Beseitigung der sozialen Verkümmerung und anderweitigen Tiefstandes führen sollen. Um das Heil der israelitischen Gesamtheit zu fördern, sind in neuerer Zeit von Philanthropen grossartige soziale und kulturelle Schöpfungen ins Leben gerufen worden und haben politisch geschulte Männer vorzüglich gegliederte Organisationen geschalten. Das hat viele, die in dem Wahne eingesponnen waren, dass das jüdische Volk überhaupt nichts für sich selbst tun könne, aus der Lethargie gerüttelt. Wir meinen die Organisationen des Zionismus und müssen anerkennen, dass die Bestrebungen, für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen, in Hunderttausenden, die sich bislang um das Schicksal ihres Stammes nicht bekümmert, ein tiefes Gemeingefühl geweckt und dieselben den Fangarmen der Sozialdemokratie und anderen Lockungen entrückt haben.

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