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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-02-01 · 2 (2.1906) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
2 (2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 von ihm verlangte, sagte nunmehr, ein fremder polnischer Jude sei der Mittäter gewesen; schliesslich aber," nachdem er zur Besinnung gekommen war, widerrief er alles und erklärte seine Angaben für ein Produkt seiner Todesangst. Ganz konnte sich auch der Staatsanwalt der Richtigkeit dieser Erklärung nicht verschliessen, und er erhob deshalb gegen Hilsner zugleich die Anklage wegen Verleumdung des Erbmann und des Wassermann. In der Tat ist Hilsner wegen dieses Vergehens verurteilt worden. Dazu gesellte sich aber noch eine dritte Anklage. Am Sonntag den 17. Juli 1898 war eine Dienstmagd Marie Klima aus Oberwieznitz bei Polna auf unerklärliche Weise verschwunden. Am 31. Oktober 1898 fand man in einem Walde unweit von Polna ein Skelett, vermutlich das ihrige. Der Täter wurde nicht ermittelt; die Untersuchung schlief auch bald ein. Nach der Ermordung der Hruza aber lenkte sich der Verdacht der Ritualmord-Gläubigen natürlich alsbald auf Hilsner, zumal der Leichenbefund in beiden Fällen eine allerdings ganz oberflächliche Aehnlichkeit aufwies. Irgend welche Verdachtmomente gegen Hilsner waren nun freilich nicht vorhanden. Allmählich fanden sich aber auch hier die Belastungszeugen ein. zuerst wiederum Cink, der im Juli 1899 (!) plötzlich mit der Bekundung hervortrat, er habe am 17. Juli 1898, dem Tage des Verschwindens der Klima, diese zusammen mit Hilsner nachmittags auf der Kirchweih in Zhor (etwa eine Meile von Polna) gesehen. Bei einer späteren Vernehmung gab Cink sogar an, der „hinkende Jude" sei auch dabei gewesen. Im Laufe der Zeit meldete sich nun noch eine ganze Reihe von Zeugen, die sich erinnerten, am 17. Juli 1898 den Angeklagten mit der Klima zusammen gesehen zu haben. Die weitaus Meisten kamen damit aber erst seit dem Dezember 1899 hervor, als gegen Hilsner die Untersuchung wegen Ermordung der Klima eingeleitet wurde. Dabei waren die Zeugen in allen Einzelheiten mit einander uneinig: ein Teil wollte das Paar in Zhor, ein anderer in dem 5—6 Kilometer entfernten Brezina, wo der sozialistische Arbeiterverein von Polna am 17. Juli ein Fest feierte, gesehen haben; auch über die Kleidung und Kopfbedeckung der Beiden gingen die Aussagen der Zeugen weit auseinander. Mit diesen Bekundungen war also wenig anzufangen; aber seltsamerweise erstand auch hier dem Staatsanwalt in letzter Stunde ein Helfer, nämlich der Schustergeselle Anton Lang. Lang gab, zuerst am 17. August 1900, folgende Aussage ab: Er habe am 17. Juli 1898 abends den Angeklagten zusammen mit der Klima in dem Zuge der von der Brezina zurückkehrenden Festteilnehmer erblickt Die Beiden seien in der Nähe eines Gasthofes verschwunden; er hatte 1 bis 2 Stunden auf sie gewartet und sie dann mit noch vier Juden, die Lang einzeln namhaft machte, in der Richtung nach dem Wege, unweit dessen die Leiche der Klima später gefunden wurde, unter allerlei verdächtigen Gesprächen sich

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