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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-02-01 · 2 (2.1906) · p. Seite 4

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
2 (2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 sich dabei noch der Unterstützung der Gemeindebehörden zu erfreuen hatte, fyeider blieb auch die Geistlichkeit diesem Treiben nicht ferne, unq die von den Antisemiten heftig bedrängte Regierung setzte ihm einen auffällig schwachen Widerstand entgegen, ja, der Justizminister Ruber, den beeinflusst zu haben die Antisemiten sich offen rühmten, liess die unflätigsten Beschimpfungen der Richter und anderer Justizpersonen ungestraft hingehen und die Untersuchung völlig in das Fahrwasser des allgemeinen Aberglaubens geraten. Aus der durch alle diese Umstände bewirkten systematischen Irreführung der öffentlichen Meinung, aus der masslosen Verhetzung der Bevölkerung, aus den politischen und religiösen Leidenschaften, deren Flammen über den Prozess emporloderten, musste sich notwendig die Suggestion der Massen ergeben, die den Schlüssel für das Verständnis des Prozesses liefert: die Vorstellung des „Ritualmordes" wird allmählich zur herrschenden, trübt die Erinnerung und verwirrt das Urteil, am meisten bei den vorwiegend den niederen Schichten der Landbevölkerung angehörenden Zeugen, aber freilich nicht nur bei ihnen. So begann denn nach der Verhaftung Hilsners das Belastungsmaterial zusammenzuströmen, allerdings sehr langsam. Am 24. April meldete sich ein Fuhrmann C i n k, der gesehen haben wollte, wie Hilsner mit zwei anderen, jüdisch aussehenden jungen Männern — der eine von ihnen habe gehinkt — und zwar alle mit Zigaretten im Munde, am 29. März, etwa zehn Minuten nach 5 Uhr ein Gässchen hinuntergelaufen seien, von dem aus man über einen kleinen Bach auf dem Weg nach der Brezina und Klein-Wieznitz gelangt. Einige Andere bestätigten diese Angaben. Aber die Zeugen wussten bei jeder Vernehmung mehr, als bei der vorangegangenen und widersprachen sich in entscheidenden Einzelheiten; namentlich war es ganz unmöglich, mit einiger Sicherheit festzustellen, ob sich der von ihnen bekundete Vorgang tatsächlich am 29. März abgespielt hatte. Schliesslich meldete sich gar ein Zeuge, der Hilsner mit seinen beiden Begleitern gleichfalls am 29. März um 5 Uhr gesehen haben wollte, jedoch an einer ganz andereu Stelle und auf einem ganz anderen Wege, der allerdings auch nach der Brezina führte. Diese Gruppe von Zeugenaussagen war ein Hauptpfeiler der Anklage gegen Hilsner. Als weiteres Belastungsmaterial diente der Staatsanwaltschaft eine alte graue, bei einer Haussuchung gefundene Hose Hilners, auf deren Rückseite sich rechts zwei kleine rostfarbene Flecken befanden. Der Gerichtschemiker hatte erklärt, sie seien „mit grosser Wahrscheinlickeit" als Menschenblut anzusehen. Diese Hose war fünf Jahre getragen, zwei Jahre von einem Fabrikanten Hitschmann, der sie Hilsner geschenkt hatte, und drei Jahre von letzterem. Das hinderte den Staats-

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