Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 2 (2.1906)
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 dem Hemd und Pulswärmern angetan; die übrigen Kleidungsstücke waren in einer Entfernung von 6 bis 25 Meter nach allen Richtungen verstreut. An der Fundstelle fand sich eine handtellergrosse Blutfläche; dagegen war das obere Leibchen blutdurchtränkt; ebenso entdeckte man 6 Meter von der Leiche in einer nur 2 Meter vom Wege entfernten Bodenvertiefung eine zirka 25 Zentimeter lange, 15 Zentimeter breite blutbesudelte Stelle; es war zu sehen, dass dort ein Körper gelegen hatte. Auch lag dort ein blutiges Stück weisser Leinwand mit Kalkflecken, anscheinend von einer Maurerschürze; unverkennbar hatte der Täter damit das Messer abgewischt; es klebten noch Haare vom Kopf der Leiche daran. Ferner fand sich ein 127 Zentimeter langer Strick, an einer Stelle blutig eingeschnitten; auch hieran klebten Haare, Spuren, die auf ein Sittlichkeitsverbrechen hingewiesen hätten, wurden nicht bemerkt; auch war bekannt, dass die Ermordete keinerlei Verkehr mit Männern unterhalten hatte. Agnes Hruza hatte mit ihrer Mutter und einem 28jährigen Bruder Johann zusammengelebt. Auf diesen fiel der erste Verdacht. Etwas Unheimliches hatte von jeher der Familie angehaftet. Der Vater war eines Tages tot aus dem Walde nach Hause gebracht worden. Johann Hruza war ein verschlossener, geiziger Mensch, der sich von seinen Altersgenossen und ihren Vergnügungen fernhielt. Mit seiner Schwester Agnes hatte er in Unfrieden gelebt. Am 19. März hatte ein Streit zwischen ihnen stattgefunden, weil er für Agnes, die das Haus verlassen und in Dienst gehen wollte, ein Kleid bezahlen sollte. Hauptsächlich wurde der Bruder, der Maurer war, durch das bei der Leiche gefundene Stück Maurerschürze belastet. Auch einige andere Umstände waren auffällig. Agnes Hruza war seit dem 9. März täglich zu der Polnaer Näherin Prchal in Arbeit gegangen. So auch am 29. März; an diesem Tage war sie gegen 5!/4 Uhr von der Prchal nach Hause weggegangen und noch um 5ya Uhr zirka V/2 Km. von der Fundstelle auf dem Nachhausewege gesehen worden. Nach Angabe ihrer Angehörigen war sie nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Obschon sie nun, wie festgestellt wurde, noch niemals über Nacht vom Hause weggeblieben war, entschloss sich die Mutter erst am Freitag nach dem Verbleib ihrer Tochter bei der Prchal nachzufragen, erkundigte sich aber hier merkwürdigerweise nicht sogleich nach der Agnes, sondern nach deren Körbchen, das am Tatorte gefunden wurde. Johann Hruza war seinerseits bereits am Donnerstag Morgens um 6 Uhr in dem benachbarten Seelenz gewesen, um dort zu beichten; weil aber der Geistliche noch schlief, ging er sofort nach Polna und legte dort die Beichte ab; eine Erkundigung über den Verbleib seiner Schwester zog er nicht ein. Einige andere, geringfügige Verdachtsmomente will ich hier übergehen. Es war aber auch noch eine zweite Spur vorhanden.