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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-01-01 · 1 (1.1906) · p. Seite 27

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
1 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 27 (sequence 32)
Language
German
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27 schickt oder verteilt, wird von einer alten Krankheit befieit und er wird in allem Glück haben Am Sonntag wird sich viel Volk versammeln in der Laura- Sophia-Kirche, Michailow- und Bruderklöstern, und von hier aus wird ein Aufruf an die Russen erlassen we^en ihrer Vereinigung gegen die Juden und Polen. Amen!! Wie ein derartiges, unter der Maske der Religiosität auftretendes Hetzblatt aut die rohen, von der russischen Regierung iu Unbildung gehaltenen Volksmasseu wirken muss, hat mau schaudernd erlebt. Frankfurt a. M. (Hilfsaktion zugunsten der Opfer der Judeuexzesse in Russland.) Eine auf Veranlassung der Israelitischen Allianz zu Wien einberufene Konferenz sämtlicher europäischer Hilfsorganisationen hat am 4. und 6. d. in Frankfurt am Main stattgefunden. Nach Anhörung der Berichte der nach Russ'and entsandten Kommission wurde beschlossen das Hilfswerk seitens der europäischen und amerikanischen Vereine in der Weise einheitlich zu gestalten, dass die aufgebiachten Summen dem unter Leitung des Lord Rothschild und Sir Samuel Montagu in London stehenden „Russo Jewish Committee" überwiesen und von dort aus auf Grund der vou einem Zentralbureau in Berlin zu sammelnden Informationen den in Russland eingesetzte i Hezirkskomitees zugehen sollen. Da sich sämtliche in Europa und Amerika gesammelten Gelder als beiweitem ungenügend erweisen, um auch nur einen wesentl eben Teil des Schadens wieder gut zu machen, der durch die grauenhaften Verwüstungen in mehr als hundert Städten angerichtet wurde und die zahlreichen Waisen, Witwen uud Krüppel zu versorgen, wurde ferner beschlossen, dass aus den gesammelten Fonds zur Emigration grundsätzlich keinerlei Unterstützung erteilt werde, und eine Resolution angenommen, wonach vor der Auswanderung Mittelloser aus Russland dringend gewarnt wird. Von den Waisenkindern nach den Ermordeten wird voraussichtlich der allergrösste Teil in Russland selbst bei den überlebenden Angehörigen auf deren Wunsch in Erziehung ve)bleiben. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass eine kleine Anzahl von Waisenkindern, die beide Eltern verloren, an>serhalb Russlauds in humanitären Anstalten und bei Privaten, die sich bereits zahlreich, erbötig gemacht haben, untergebracht wird. Bei dem Riesenumfang d»;s Elends in Russland uud der unbeschreiblichen, durch die Gemetzel geschaffenen Not muss noch weiter au das gute Herz aller Menschenfreunde in Europa appelliert werden, die Hilfsaktion durch ausgiebige Spenden zu fördern. Geldsendungen werden im Bureau der „Allianz" L, Weihburggasse 10, dankend entgegengeno rinen und eiuzeln quittiert. London. (Ein Brief Chamberlains zur Judenfrage) Oswald Johu Simon, eiuer der Einberufer der grossen Protestversammlung gegen die Behandlung der Juden in Russland, hatte sich um eine Aeusserung über die Judeufrage an Mr. Chamberlain gewendet. Dieser schrieb ihm uuter dem 2. Jänner wie folgt: „Ich habe ihren Brief vom 1. Jänner erhalten. Ich würde es kaum für notwendig gehalten haben, noch einmal meinem tiefen Mitgefühl mit dem jüdischen Volk« in seinen augenblicklichen Drangsalen Ausdruck zu geben und meiu Entsetzen über die Verbrechen auszusprechen, die gegen das jüdische \ olk im Zusammenhang mit den Unruhen in Russland verübt wurden Diese sind ein nicht zu tilgender Flecken auf unserer christlichen Zivilisation und ich bin überzeugt davon, dass die Regierung die Unterstützung des Volkes dieses Landes finden wi'd, wenn sie in jeder nur möglichen Weise bei der russischen Regierung Vorstellungen erhebt, die vielleicht geeignet sein könnten, irgendwie eine Wiederholung derselben zu verhiii''er

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