Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 18 (1906)
- Issue
- 1 (1.1906)
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Männer, auf die man bisher nur wenig gehört hatte, in weiten Kreisen der Exulanten einen tiefgehenden Einflnss und der Geist des Ewigen, der Geist der Weisheit und Einsicht, der praktischen Beurteilung und Tatkraft, der Gotteserkenntnis und Gottesfurcht, von dem sie beseelt waren, wurde das Element der Wiederbelebung der Nation. Die wurde zusammengebracht, indem man dem armen, erniedrigten Volke Gottvertrauen eingeflösst und es durch Wort und Tat und Beispiel zur Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit erzogen hat. Eine Jahrzehnte währende, zieibewusste, stille Tätigkeit der Propheten und ihrer Jünger unter den Exulanten hat zur Verwirklichung der Weissagung des Zefania geführt: „Und ich werde zurücklassen in Deiner Mitte ein armes, gedemütigtes Volk, dessen Glieder auf den Namen des Ewigen vertrauen, einen Ueberrest Israels, dessen Angehörige kein Unrecht tun und keine Unwahrheit reden werden und in deren Munde keine Sprache* des Truges gefunden wird, denn die sind bestimmt, zu weiden und zu lagern, ohne dass sie jemand aufschreckt. (Zefania K. 3 12, 13.) Die Gräber des Israelitenvolkes im babylonischen Reiche hat Gott durch den Perserkönig Cyrus sprengen lassen, das neue Leben und die Kraft zur Auferstehung ist ihm jedoch nur allmälig durch jene Erziehung beigebracht worden. So sind die Prophetenworte' aufzufassen : Siehe ich öffne Euere Gräber und lasse Euch aus Eueren Gräbern steigen mein Volk und bringe Euch auf den Boden Israels. — Und ich gebe meinen Geist in Euch und Ihr werdet aufleben und ich werde Euch schaffen nach p]urem Boden. (Jecheskiel K. 37, 12 bis 14.) Ungemein schwer war es, aus Teilen eines vielfach, von verwilderten und demoralisierten Elementen durchsetzten, unwissenden Volkes, aus Angehörigen einer Menschenklasse, die vorwingend mehr oder minder heidnischen Glaubens war und bereits bedeutende Neigung hatte, sich ganz und gar aufzugeben, inmitten einer feindlichen Welt, eine theo-philanthropische Gemeinschaft zu schaffen. Wodurch ist das zustande gebracht worden? Man war beflissen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit rege zu erhalten, durch Hinweise auf die lichten Phasen der Vergangenheit Hoffnung und Mut einzuflössen, die noch irgend vorhandenen, religiösen Gefühle zu läutern, zur Wertschätzung des spezifisch Menschlichen in und um sich anzuregen und zur Eintracht, Treue, Wahrhaftigkeit, Nüchternheit, Keuschheit und Gerechtigkeit zu erziehen und zu ermahnen, und alles geschah im Namen des Ewigen und unter stetem Ausblicke auf das verlorene Paradies der Nation, auf Zion, durch ethisch hochstehende, ganz selbstlose, energische, über jede Engherzigkeit erhabene, weltkluge Menschen.