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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-01-01 · 1 (1.1906) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
1 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 14 (sequence 19)
Language
German
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14 gung der Erreichten, das Stöhnen der Verwundeten, das Wimmern der Gemarterten, das Röcheln der Sterbenden und den Seelenschauer der Eltern, die das Hinmorden ihrer Kinder gesehen und und der Kinder, Geschwister, Verwandten und Freunde, die ihren unter Mörderhänden ächzenden Lieben nicht beistehen konnten, haben wir jedoch keine Worte, sondern nur Seufzer, aus den Tiefen der Seele dringende, volle Seufzer, die Zornesglut und Schamröte ins Gesicht drängen. Was unter den verschiedenen, peinlichen Gefühlen in den Vordergrund tritt, ist der moralische Ekel, den die Charaktere der Frömmigkeit heuchelnden Politiker einflössen, die das entsetzliche Unheil angestiftet haben, um den Unwillen, der ihre Gewalt, Raub und Diebssystem zum Sturze gebracht, zu übertäuben. Auf den Kleidern jener, zumeist europäisch gebildeten Machtmenschen klebt das Blut der abgeschlachteten Greise, Männer, Frauen und Kinder; man darf indess nicht übersehen, dass auch die Gesichter der weit vom Schauplatze jener Greueltaten wirkenden antisemitischen Agitatoren nicht davon frei sind. Die zu ihrem infamen Unternehmen nötige Schamlosigkeit haben die russischen Reaktionäre vom Auslande bezogen. Wenn sie das Beispiel der Unverschämtheit der in den europäischen Kulturzentren in Rang und Ansehen stehenden Hetzer und Wühler nicht ermutigt hätte, würden sie es nie gewagt haben, zu einem so abscheulichen Mittel Zuflucht zu nehmen. Ihr Teufelswerk war eigentlich eine landesübliche Form der auch in manchen Kultui Staaten, soweit es die nicht immer enge genug gezogenen Maschen der Gesetze zulassen, durch Woit und Schrift und Tat gehegten Niedertracht, Zwischen den Gevattern der russischen Mordbrenner und den aller Wahrheit und Gerechtigkeit hohnsprechenden Demagogen, die lügend, lästernd und spottend wirkliche, vermeintliche und angeblich sittliche Fehler und Ausschreitungen einzelner Juden der Gesamtjudenheit zur Last legen, um die Gemüter durch Vorurteile, Verachtung und Hass zu vergiften, besteht eine gewisse Wahlverwandtschaft. Wenn nun das viele unschuldige Blut der Ermordeten und das uferlose Elend der Hinterbliebenen zum Himmel schreit, klagt es nach jenen auch diese an, und an der Schmach, die man drüben der Menschheit zugefügt, hat man auch hüben einen unvergesslich verdammenden Teil. Insolange das unverschämte Generalisieren und Aufstacheln der gemeinsten Instinkte in den gebildeten Gesellschaftsklassen nicht.entehrt, und von den Frommen nicht allgemein als ein Verbrechen wider die Religion empfunden wird, kann das Hervorkehren hündischer Unarten als politisches Mittel nicht ausser

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