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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-01-01 · 1 (1.1906) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
1 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 9 (sequence 14)
Language
German
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9 bei seinem angeblichen Lustmord Gefährten geben. Hilsner allein hätte dem Herrn Dr. Baxa, dem Vertreter des Ritualmordglaubens, nicht genügt. Der brauchte ihn nur als Mitglied einer Genossenschaft, welche aus religiösen Gründen mordet und das Blut, wie das „Deutsche Volksblatt" am 25. September 1899 „in der verbürgtesten Weise" mitteilte, „zu rituellen Zwecken auffangen und per Eisenbahn" befördern Hess. Warum denkt niemand mehr an die Aufdeckung der von dem Staatsanwalt sowohl wie von den Geschwornen als entscheidende Voraussetzung für die Verurteilung Hilners angenommenen Mitschuldigen Hilsner s? . . . Die Geschwornen staunten auch nicht, als die Mutter der ermordeten Agnes Hruza, von dem Verteidiger befragt, zugeben musste, dass sie, nachdem ihre Tochter zwei Tage und zwei Nächte vom Hause ferngeblieben war, erst am dritten Tage in der Nähschule, in der sie arbeitete, erschien. Erst am dritten Tage! Trotzdem die Tochter vorher noch nie eine Nacht fortgeblieben war!! Aber nicht nach der verschwundenen Tochter fragte die Mutter, sondern nach deren Körbchen!!! Die Geschwornen hatten nur für jene Zeugenaussagen entgegenkommendes Verständnis, die, mochten sie noch so absurd, widersprechend und verdächtig erscheinen, doch ihrer längst feststehenden Ueberzeugung, Hilsner ist ein Ritualmörder, entsprach. . . . Das öffentliche Rechtsbewusstsein kann nicht den Eindruck verwinden, dass der vorläufige Ausgang des Polnaer Prozesses wie das Ergebnis eines Kompromisses erscheint, dem ein Unschuldiger zum Opfer fiel. Der durch unzählige Momente begründete Gedanke, dass ein Unschuldiger das Opfer eines derartigen Kompromisses geworden ist, bildet wohl eine furchtbare Schmach für die österreichische Justiz und darum wird der Ruf nach der Revision des Prozesses Hilsner nicht mehr verstummen. Es niuss völlige Klarheit darüber werden, ob Hilsner. der jetzt zu lebenslänglichem Kerker „begnadigt" ist, bloss aus dem Grunde als ein Mörder verurteilt werden musste, weil Ernst Schneider und seine Kompagnons einen Ritualmord brauchten. .... Dass Hilsner unschuldig im Kerker schmachtet, davon sind heute in Oesterreich vielleicht schon mehr Leute überzeugt, als die Antisemiten ahnen Und dass diese Männer sich nicht bloss unter den Juden finden, dafür spricht die nachfolgende, hier zum ersten Male veröffentlichte Tatsache, deren Wahrheit eventuell auch durch Zeugenaussagen bestätigt

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