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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1906-01-01 · 1 (1.1906) · p. Seite 5

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
18 (1906)
Issue
1 (1.1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 5 (sequence 10)
Language
German
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Und so möchte ich das gründliche Studium der Schrift den -Gebildeten aller Kreise, ganz besonders aber unsern deutschen Strafrechtspraktikt.ru wärmstens empfehlen. Es ist keine Tendenzschrift, was der Verfasser uns geliefert hat, sondern eine nüchterne, streng wissenschaftliche, überall auf dem Akteninhalt fussende Darstellung eines der interessantesten uud lehrreichsten Piozesse aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Oharlottenburg, im Jänner 1906. Dr. Franz v. L i s z t. * * * Ueber das Buch Dr. Nussbaums schreibt die „Neue Freie Presse" vom 26. d. M.: „Dem Polnaer Ritualmordprozess mit seiner Fülle von kriminal-psychologischen Erscheinungen ist das Buch des Rechtsanwaltes Dr. Arthur Nussbaum, das uns heute vorliegt, gewidmet. Eis ist auf Grund der Prozessakten und der stenographischen Protokolle der Hauptverhandlungen gearbeitet. Die Arbeit selbst schien dem grossen Berliner Kriminalisten Geheimrat Professor Dr. Franz v. Liszt, einem geborenen Wiener, von so grosser kriminalpolitischer Bedeutung, dass er sie mit einem Vorwort versah und ihr gründliches Studium den Gebildeten aller Kreise, ganz besonders aber den deutschen Strafrechtspraktikern auf das wärmste empfahl als eine nüchterne, streng wissenschaftliche, überall au dem Akteninhalt fussende Darstellung eines der interessantesten und lehrreichsten Prozesse aus dem letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts. In der Tat, wenn man sich in diese Darstellung vertieft, wenn man sieht, wie aus dem Volksaberglauben heraus durch die Macht der Suggestion oder Autosuggestion die Phantasiebilder in den Zeugenaussagen entstehen, wie sie immer festere Gestalt gewinnen, anschaulicher werden und zahlreichere kennzeichnende Einzelheiten aufnehmen, dann erinnert man sich unwillkürlich an die Darstellungen der Hexenprozesse, die einst Carpzow geliefert hat, und an die epidemischen Suggestionen, die in diesen Prozessen die scheusslichsten Zeugendelirien hervorbrachten. Ueberblickt man die prozessualen Vorgänge in diesem merkwürdigen Prozess, so kommt man an einen überaus interessanten Punkt. Die Grundlage des objektiven Tatbestandes bildete in diesem Prozess der Sektionsbefund der Poluaer Gerichtsärzte, der in dem Protokoll vom 1. April 1899 niedergelegt wurde. Der wesentliche Inhalt dieses Sektionsprotokolls geht dahin, dass auf der Vorderseite des Halses der Hruza eine scharfrandige Wunde sich befand, die alle Weichteile bis zur Wirbelsäule durchdrang. Ungefähr in der Mitte des Halses auf der rechten Seite zog sich quer eine Strangulationsfurche über die ganze rechte Seite des

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