Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 8/9 (August/September 1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Ich glaube beruhigt sagen zu können, dass es auf alle Gräbeibesucher einen günstigen Eindruck macht, wenn wir sehen, in welch schöner Weise unsere löbliche Kultusgemeinde die dortigen Leichenfelder mit neuem Rasenbelag und Baumpflanzungen, die Wege zu denselben mit frischem Kies usw. herrichten Hess, so dass der Friedhof als solcher auf den Besucher desselben förmlich wohltuend wirkt. Ganz im Gegensätze zu obiger Schilderung jedoch befinden sich die B a u 1 i c h k e i t e n auf diesem Friedhofe. Da ist z. B. gleich der Eingang: Eine Türe mit einer Klinke, die Jahrzehnte alt und ebenso lang nicht geölt, so dass man dieselbe nur mit besonderer Kraftanwendung öffnen kann. Weiters: Nach Oeffnung dieser Türe von der Gasse aus betritt man einen Gang, der auch erbärmlich aussieht, aber noch grossartig ist zu dem, was sich dem Besucher bietet, wenn man von da, ohne die Leichenhalle zu passieren, rechts zum Friedhof hinausgeht : Ein Zimmer — resp. ich kenne keinen technischen Ausdruck für eine solche Räumlichkeit und sage desshalb „Zimmer". Aber wie's in demselben aussieht: Ein Fussboden, total ausgetreten, lauter grosse Löcher in demselben, und auch die sonstige Einrichtung sieht sehr unwürdig aus. Ich bin zwar der Ansicht, dass die Friedhofverwaltung gar nicht die Absicht hat, dieses „Zimmer" für die Friedhofbesucher zur Passage resp. Wegabkürzung offen zu halten; dann soll aber dasselbe geschlossen gehalten werden und nicht auch noch dazu als Auskunftskanzlei dienen. Vor dem Verlassen des Friedhofes sehen wir uns das Gebäude nochmals an, und wie Einen schon an derartigen Stätten alles interessiert, fällt mein Blick in eine Kammer, von der man sofort errät, dass in derselben einst unsere teuren Toten vor ihrer ( Beerdigung, wie dies doch bei uns Juden religiöse Vorschrift ist. gewaschen wurden. In dieser Kammer, auFHem TösFameht, auf welchem die vorerwähnte Zeremonie vorgenommen wurde, waschen die Hausbesorger und sonstigen in dem Gebäude untergebrachten Familien ihre Schmutzwäsche. Eine solche Profanierung dieser Stätte wäre doch gewiss nicht nötig, denn ich glaube, die Bewohner dieses Gebäudes könnten doch dort die Verrichtung ihrer groben Arbeiten vornehmen, wo sie dies früher taten, als noch auf dem Friedhofe beerdigt wurde, und das konnte doch gewiss nicht in dem Raum geschehen, in dem unsere teueren Toten gewaschen wurden. Gegenüber jener Stelle des Gebäudes, an der besagte „Waschräumlichkeit" sich befindet, sind die diversen Bedürfnisorte, und zwar auch in schrecklichem Zustande. Nun verlasse ich den Friedhof und gehe, um mir die Hände zu waschen, was doch auch religiöse Vorschrift ist, durch die Leichenhalle, resp. frühere Leichenems^gnjrjjgghalle. Hier befindet sich ein „Waschservice". Wer das nicht gesehen hat, der hat noch nichts grausliches gesehen. Ein total verrostetes Lavoir, ebenso