Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 8/9 (August/September 1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
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33 Kommandeur, nach den angestellten Ermittlungen habe der Hauptmann nicht gewusst. dass sich ein Laudwehrmann jüdischen Glaubens in der Kompagnie befunden habe. Trotzdem sei es in keiner Weise zu billigen, dass der Hauptmann vor der Kompagnie durchaus ungehörige Aeusserungen getan habe, die geeignet waren, Mannschaften jüdischen Glaubens zu verletzen. Das Erforderliche habe er veranlasst und spreche sein Bedauern über diesen Vorgang aus. London. Israel Z a n g w i 11 erlässt iu den Tageszeitungen eine Kundgebung, welche zunächst den Nachweis, dass der Verlauf des letzten Zionistenkongresses die Bildung einer nuen Partei zur Notwendigkeit gemacht habe, erbringen will und den Zweck derselben darlegt. Der neue Verband, „die Jüdisch-tprritoriale Organisation", welche als solche keine Stellung zum Zionismus nehme, es vielmehr dem Belieben ihrer Mitglieder überlasse, wie sie sich zu demselben verhalten wollen, ziehe jedes Landgebiet iu Betracht, vorausgesetzt, dass dasselbe geeignet und erwerbbar sei, Ter Verband habe den Zweck, für diejenigen Juden, die in dem Lande ihrer augenblicklichen Ansässigkeit nicht bleiben wollen oder können, eine Heimstätte auf autonomer Basis zu schaffen, Zur Erreichung dieses Zieles schlägt der neue Verband vor: 1. Alle Juden, die den obengenannten Zweck billigen, zu vereinigen; 2. mit Regierungen, sowie mit öffentlichen und privaten Instituten in nähere Beziehung zu treten; 3. finanzielle Institute, Aibeitsbureaus und andere Einrichtungen zu schaffen, die für notwendig erachtet werden. Jahraus jahrein seien etwa 100.000 Juden gezwungen, deu Ländern den Rücken zu wenden, in denen sie Not und Verfolgung zu ertragen hätten Hauptsächlich sei dies in Russland der Fall, dessen jüdischer Ansiedelungsrayon überfüllt ist. Da die notwendige Ausdehnung der angesammelten Volksmasse in Russland selbst verhindert wird, breche der Menschenstrom nach anderen Ländern über die Ufer, vorwiegend nach den Vereinigten Staaten und England, in zweiter Linie nach Canada, Argentinien und Südafrika. In allen diesen Zufluchtsländern sei es das Bestreben der Einwanderer, bei ihren Glaubensgenossen zu bleiben, und dies führe zu der Errichtung der grossen, ungesunden Ghettos. Nach einiger Zeit würden auch diese Zufluchtsstätten überfüllt sein und der Einwanderung gesetzlich Einhalt getan werden. Zangwill sagt: „Ist es nicht unsere Pflicht, uns zu beeilen, ein eigenes Zuflucbtsland zu finden, solange die Tore noch offen sind? Ist es für jüdische Arbeit und jüdisches Kapital unmöglich, dieses Zufluchtsland zu schaffen? — Die „Morning Post" ist der Ansicht, dass die Vorschläge Zangwill's jedenfalls ernsterer Beobachtung wert sind. Das konservative Blatt glaubt, dass unter der grossmütigen Souveränität Englands die Juden aus Britisch-Ostafrika ein reiches Land machen könnten. Sollte sich Uganda nicht eignen, so werde ein anderes Gebiet zur Verfügung stehen, und die Judeu könnten davon überzeugt sein, unter englischer Oberherrschaft Gerechtigkeit und volle Gewissensfreiheit zu fiuden. Zuschriften aus Mitgliederkreisen. Vom Währinger jüdischen Friedhofe. Geehrte Redaction! Gestatten Sie mir als Mitglied der „Isr. Union", Ihr Augenmerk auf eine Angelegenheit zu lenken, die sehr viele unserer Glaubensgenossen berühren dürfte. Als Jude, der viel auf Pietät nach unseren teuren Verstorbenen hält, besuche ich einigemale des Jahres den Währinger Friedhof, woselbst mein seliger Vater seit 1873 beerdigt ist. 3