Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 8/9 (August/September 1905)
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
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32 Wien. (Der Befähigungsnachweis für die Handelsg e w e r b e) ist nun vom permanenten Gewerbeausschusse, allerdings unter heftigem Protest der Regierungsvertreter, beschlossen worden. Charakteristisch für den Freisinn gewisser „liberaler" Volksvertreter ist die Tatsache, dass der Abgeordnete Dr. Bendel, welcher der deutschen Fortschrittspartei angehört und die Stelle eines Obmann-Stellvertreters der deutsch-freisinnigen Partei in Wien bekleidet, für den Befähigungsnachweis im Handelstewerbe gesprochen und gestimmt hat. Er motiviert diese reaktionäre Haltung mit dem Willen seiner zünftlerischen Znaimer Wähler. Da die „deutsch-freisinnige Partei in Wien" noch immer zahlreiche Mitglieder aus der jüdischen Kaufmannswelt zählt, so hat die rückschrittliche Haltung des Abgeoidneten Dr. Bendel zu sehr heftigen Rekli ninationen im Schoosse der Partei Anlass gegeben. — Im Uebrigen darf mit Zuversicht erwartet werden, dass die Regierung finem Geweibegesetze, welches den Befähigungsnachweis im Haudelsgewerbe statuiert, die Sanktion versagen wird. Dafür bietet auch die Vergangenheit des neuernannten Leiters des Handelsministeriums, Sektionsckefs Grafen Auersperg, einige Gewähr. Tlllln. Vor dein Strafrichter des hiesisren Bezirksgerichtes Adjunkten Dr. Ganzwohl hatte sich am 26. v M. der Wiener Hof-Fischhändler Johann Singhofer wegen Ehrenbeleidiguug zu verantworten. Der in Greifenstein mit seiner Familie zum Sommeraufenthalt befindliche Kaufmann Bernhard Kleiumann aus Wien hatte folgende Klage erhoben : Am 4. d. M. wartete Kleiumann auf seine Frau und seine Kinder, die aus dem öffentlichen Bade in Altenberg, wo Singhofer wohnt, kommen sollten. Der Beklagte begann im Vorbeigehen den Wartenden zu ve höhnen und sagte: „Judenbagage, ihr kommt daher, um eucb die L.....abzuwaschen, fahren Sie nach Krakau." Als Kleinmann sagte er wolle gar ni,kt baden, hob Singhofer die Faust und schrie : „N i c h t r e d e n, i c h erschlage Sie." Dann befahl er dem Kutscher, mit Wagen und Pfe'd ins Wasser zu fahren, damit die jüdischen Badegäste auf diese VVeise herausgejagt werden. Der geständige Augeklagte behauptete, er sei in seinem sittlicheu Empfinden beleidigt gewesen. Der Richter venu teilte ihn zu h n n d e i t K r o u e n Strafe." GzernOWit7. Ueber Initiative und Einladung des Herrn Dr. Straucher fand Montagden 21. v. M. im Sitzuugssaale der hieroitigen israelitischen Kultnsgemeinds eine mehrstündige Besprechung von Delegierten der Judenschaft des ganzen Landes statt. Den Gegenstand der Beratung bildete die Be gründang einer die gesamte Judenschaft der Bukowina umfassenden einheitlichen Organisation. An dieser Beratung nahmen Delegierte aus allen jüdischen Kultusgemeinden teil; aus fast allen grösseren Orten des Landes waren Vertreter erschienen. Im ganzen wiren 70 Delegierte anwesend. Eine grössere Anzahl eingeladener Vertrauensmänner war am Erscheinen verhindert, begrüsste aber mit vollster Wärme die Begründung einer solchen Organisation uni schickte teils briefliche, teils telegrafische Zustimmungskundgebungeu. Nach einem eingehenden Referate des Heirn Dr. Straucher und einer lebhaften Diskussion wurden die Anträge Dr. Strauchers einstimmig zum Beachlnsse erhoben. Es wurde ein zwanziggliedriges Komitee zur Ueberreiehuug des you Dr. Straucher verfassteu und in der Versammlung angenommenen Orgauisationsstatutes eingesetzt. Berlin. (B e s ch i mp f u n g e iu es j fr-d is «:h en Lau d wehr man ues durch einen Vorgesetzten.) Ein LHiidwehrmaun war im Monat Juni d. J. zu einer vierzehatägigen Uebung in Berlin einberufen. Nachdem er seinen Dienst tadellos verrichtet hatte, redete ihn am Tage der Entlassung der Hauptmann vor versammelter Mannschaft mit den Worten au: „Na. Sie sind aus E.; ich habe gehört, dass es dort viele schmierige Viehjaden gibt,1' Der L*nciwehrmann richtete wegen der ihm widerfahrenen Beleidigung eine Beschwerde an das Bezirkskommando. In dem hierauf erteilten Bescheid erklärt»; der