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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-08-01 · 8/9 (August/September 1905) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
8/9 (August/September 1905)
Date
1905-08-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 Tabak auch dann für schwachsinnig gegolten hätte, wenn die Unschuld der verleumdeten Juden nicht so schnell zutage getreten wäre, als dies tatsächlich geschehen ist. Aber eine andere Frage dürfen wir aufwerfen: Der „Schwachsinn" der Tabak ist, wie die Ereignisse gezeigt haben, sehr bösartiger und gefährlicher Natur. Das arme, unzurechnungsfähige Geschöpf kann sich ein zweites Mal einen phantastischen „Ritualniord*' in den Kopf setzen; es kann sich ein zweiter Bezirksrichter finden, der ihr Glauben schenkt und auf die Angaben eines geistig nicht normalen Kindes unschuldige Juden in den Kerker setzt und damit in der bäuerlichen Bevölkerung die grösste Erregung gegen die Juden hervorruft. Es wäre nun Sache' der zuständigen Behörden, die Katharina Tabak durch Internierung in einer Anstalt für Schwachsinnige oder Geisteskranke unschädlich zu machen. Wird dies geschehen oder wird man es weiter zulassen, dass Katharina Tabak ein willfähriges Medium für die Suggestionen gewisser Ritualmordhetzer bleibe? II. A. w. g. Ein Mörder auf freiem Fasse. Am 16. August d. J. ging der beim Gutspächter Alter Stein in Sokolow, Bezirksgericht Wisniowczyk, Kreisgericht Brzezany, als Schaffner beschäftigte Aron Edelmann auf der seinem Gutsherrn gehörigen Ochsenweide mit seinem Freunde Jakob S t r o mwasser spazieren. Sie bemerkten aus der Ferne, dass sich auf der Weide fremde Pferde befanden und sahen beim Näherkommen, dass es der Sokolower Grundwirt Anton P a j a k mit seinem Sohne Wladyk Pajak waren, welche ihre Pferde auf fremdem Boden weideten. Auf die ruhige Frage Edelmanns, wer ihnen das Weiden hier erlaubt hätte, antwortete Wladyk Pajak barsch und heftig : „Was kümmert das Dich! Mir ist erlaubt, überall zu weiden!" Edelmann und Stromwasser entfernten sich, um den Vorfall dem Gutspächter zu melden. Im Weggehen hörten sie, wie Anton zu seinem Sohne Wladyk in ruthenischer Sprache sagte: „Sölmchen, Du musst sie Beide derart zurichten, wie Du nur kannst, damit man Deiner stets gedenke." Als nun Edelmann und Stromwasser nach kurzer Weile zur Weide zurückkehrten, sprang unterwegs Wladyk Pajak aus dem Getreide, wo er gelauert hatte, meuchlings heraus, warf sich auf Edelmann und massakrierte ihn mit einem Lüsstocke von einem Wagen in so grausamer Weise, dass die gerichtliche Kommission später mehrere Rippenbrüche und einen vielfach durchlöcherten Schädel konstatiert hat. Während Wladyk Pajak auf Edelmann losschlug, schrie er den Strom wasser an: „Du Hallunke willst Dich vielleicht aus dem Staube machen, um diesen Vorfall zu verlautbaren? Nicht von der Stelle Jude! Auch Dich muss ich mir unschädlich machen." Der alte Mann konnte sich vor Angst nicht rühren. Als Edel-

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