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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1905) · p. Seite 29

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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29 sie für den Antrag stimmen, der derart formuliert ist. dass für ihn alle stimmen können. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Der Minister des Innern Graf B y 1 a n d t erwiderte hierauf: Hohes Haus! Seit zirka einem Jahre hat sich die Einwanderung aus Russland in unsere Grenzländer, insbesondere in das Königreich Galizien in auffallendem Masse vermehrt. Die private Wohltätigkeit hat hier mit voller Kenntnis der Behörden eingegriffen und es ist ihr gelungen, in sehr vielen Fällen den Notstand unter den Eingewanderten zu lindern und auch in den überwiegend meisten Fällen die Weiterreise der Eingewanderten zu ermöglichen. Die Behörden haben dort, wo sie gezwungen waren, die Fremdenpolizei und die Gesetze gegen Ausweislose anzuwenden, diese Gesetze stets in der rücksichtsvollsten Weise gehandhabt und haben in jedem einzelnen Falle auf die Bedeutung und auf das Individuelle des Falles Rücksicht genommen. Eine Abschaffung an die russische Grenze hat in keinem Falle stattgefunden, und zwar schon mit Rücksicht darauf, dass das seinerzeit bestandene Deserteurkartell aufgehoben ist. Ich glaube hier die Versicherung geben zu können, dass die Regierung und die Behörden, insbesondere die Behörden des Königreiches Galizien, die hier in erster Linie in Frage kommen, den Einwanderern gegenüber stets mit der grössten Humanität und Rücksicht vorgegangen sind und dass sie daher einer besonderen Aufforderung, wie sie in dem hier in Verhandlung stehenden Dringlichkeitsantrage gelegen ist, nicht bedurft hätten, um auch in Zukunft in gleicher Weise vorzugeben. (Bravo!)" Die Dringlichkeit des Antrages wurde mit der erforderlichen Zweidrittelmajorität und sodann auch das Meritnm des Antrages angenommen. Wien. (Der Ostafrika-Prozess.) Auf Anregung des verstorbenen Dr. Herzl und im Auftrage der Zionistischen Vereinigung war im Januar d. J. eine Kommission nach Ostafrika abgegangen, um ein dort von der britischen Regierung zur Verfügung gestelltes Terrain für die eventuelle Gründung eines autonomen jüdischen Staatswesens zu besichtigen und zu begutachten. Diese Kommission, die aus den Herren Major St. Hill Gibbons, Professor Alfred Kaiser und dem Ingenieur N. Wilbusch — sämtlich gründliche Kenner des dunklen Kontinents — bestand, ist nach London zurückgekehrt und hat die Resultate ihrer Untersuchungen veröffentlicht. Der Führer der Expedition Major Gibbons ist derjenige der drei Sachverständigen, der sich am optimistischesten über die Verhältnisse des in Frage kommenden Landstriches äussert. Das Terrain ist auf dem Guas Naischu-Plateau gelegen. Es umfasst 4000 englische Quadratmeilen. Davon sind 3000 englische Meilen Weideland und für den Unterhalt von tausend Familien berechnet, von denen jede nicht weniger als 2000 Morgen erhalten soll. Die übrigen 1000 Meilen dürfen als Ackerbauland bezeichnet werden und könnten, falls es sich bewährt, etwa 15—20.000 Ansiedlern Unterhalt geben. Das Klima muss als gesund gelten, da die Atmosphäre bei einer Höhe von 6—8500 Fuss über dem Meere rein und trocken ist und von einer tropischen Sonne durchwärmt wird. Der Boden ist den Zwecken entsprechend, Wasser ist, mit Ausnahme der südlicheren Teile des Territoriums, für Ansiedler zur Genüge vorhanden. Der Zugang vom Südosten her ist ohne Schwierigkeit, die Entfernung von der Ugandabahn beträgt nur 55 englische Meilen. Was die Eingeborenen betrifft, gibt es auf dem Plateau selber keine, ausgenommen in dem Höhlendistrikt auf den Elgonabhängen und in den Chigchangwane-Bergen. Ein Räuberzug der Wasai hat hier vor mehreren Generationen gründlich aufgeräumt. Aber auch von diesen Wasais und anderen ostafrikanischen Stämmen ist nichts Ernsthaftes zu befürchten. Major Gibbons schlägt als Vorversuch einer Ansiedlung vor, zunächst einen landwirtschaftlichen Sachkundigen mit einem Stabe von 100 Ackerbauern dorthin auszusenden und 10 kleinere Distrikte in Angriff zu nehmen. Schon das zweite Jahr würde dann eine zuverlässige Schätzung der Aussichten für das ausgedehntere Unternehmen bringen, und die Anlage einer kleinen Viehzucht würde auch für diesen Teil des Projektes

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