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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1905) · p. Seite 28

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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28 genannten Judenfrage vieles falsch und oberflächlich beurteilt werde. Es sei anerkennenswert, dass der Klagevertreter zugegeben habe, dass einzelne Rassenangehörige die ihnen innewohnende Disposition zu abträglichen Eigenschaften unterdrücken können. So haben auch schon die zwölfApostel die Disposition unterdrückt. Dr. Bendeikt wies darauf hin, dass das Strafgesetz nicht nur die Konfessionen, sondern auch die Nationalitäten schützt und dass der Angeklagte Hiller auf die Bemerkung des Herrn Stary: „In der Rasse liegt die Schweinerei!" zur Abwehr dieser Beleidigung, ohne ein Schimpfwort zu gebrauchen, erklärt habe: „Beziehen Sie diesen Ausdruck auf sich!" Dr. Benedikt beantragte den Freispruch seines Klienten. Der Richter verurteilte Max Hiller wegen Enrenbeleidigung zu einer Geldstrafe von zwanzig Kronen. Der Richter war der Ansicht, dass in dem Ausdrucke: „In der Rasse liegt die Schweinerei!" die Verspottung einer gewissen Regligionsgenossenschaft gelegen sei. Wenn der Angeklagte mit den Worten: „Beziehen Sie den Ausdruck aut sich!" reagiert habe, so habe er hierdurch den Kläger dem Spotte ausgesetzt. — Bei der Strafbemessung nahm Gerichtssekretär Dr. Schachner als besonders mildernd den Umstand an, dass Hiller sich durch die Bemerkung des Klägers provoziert halten konnte. — Beide Parteien hielten sich Bedenkzeit offen. Wien. (Die russischen Flüchtlinge.) In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 26. Juni brachte Abg. Daszynski einen auf die Behandlung russischer Flüchtlinge durch die österreichischen Behörden bezüglichen Dringlichkeitsantrag ein und begründete denselben folgendermassen: „Wir sind an einem beträchtlichen Teile unserer Grenzen die Nachbarn eines absolutistisch regierten Riesenstaates, der jetzt in revolutionären Zuckungen sich windet, aus welchen hoffentlich eine neue, den Völkern die Freiheit bringende Staatsform entstehen wird. Es kann uns nicht gleichgiltig sein, ob die mächtige revolutionäre Bewegung und auch die Orgien der Reaktion gegen dieselbe, welche immer neue Fluten von Männern, Frauen und Kindern auf unser Gebiet hinüberwerfen, in der einen oder anderen Form vor sich geht. Es handelt sich auch um die Konnationalen von drei Millionen Ruthenen, von vier Millionen Polen. Der Gegenstand ist daher auch für uns diskutierfähig, trotz der Zweifel mancher Kollegen. Wir müssen darauf gefasst sein, dass au der nördlichen Grenze unseres Reiches ganze Scharen ruhiger Einwohner als politische Flüchtlinge erscheinen, dass diese Scharen unschuldiger Menschen hier Asyl und Schutz suchen werden. Es hiesse, ebenso grausam wie die mordende Soldateska sein, wenn man diesen Erscheinungen gegenüber sich auf den polizeilichen Standpunkt stellen, das Asylrecht in einer solchen Zeit nicht hoch halten würde, wo jeder zivilisierte Staat es sich zur Ehre rechnen muss, ein solches Asylrecht auszuüben. In Besprechung der Vorgänge in Russland, erinnert Redner an die schrecklichen Judenmaasakres und die Antwort, welche der revolutionären Bewegung zuteil werde, die immer in der ruhigen Form von Demonstrationen die angeborenen Menschenrechte zu erringen trachte. An die Eroberung von Saragossa erinnern die blutigen Vorgänge, wo man niemanden schont, Greise mit dem Kolben niedermacht, Kinder aufspiesst, ganze Häuser demoliert, die Haustore mit Blut befleckt, Hunderte von Leichen auf der Strasse liegen lässt. Die Grausamkeiten des Krieges werden vom Militär des Zaren gegen die Untertanen des Zaren verübt. Wo ist ein Europäer, der dagegen nicht lauten Protest erheben sollte! Wo ist ein zweiter Roosevelt, der sich Lorbeern als Vermittler suchen will! Es wäre sehr traurig um uns bestellt, wenn wir, die unmittelbaren Nachbarn, nicht passende Worte des Protestes, der Entrüstung fänden. Redner appelliere deshalb an das ganze Haus, in der schlichten Form, die er gewählt habe, die Zustimmung zu seinem Dringlichkeitsantrag zu geben und di« Regierung wenigstens aufzufordern, die Opfer dieser Greueltaten, die auf unserem Gebiete erscheinen, nicht mit Polizeichikanen, sondern menschlich zu behandeln und das Asylrecht hochzuhalten. Speziell an die Mitglieder des Polenklubs müsse er sich wenden. Wenn sie sich als Polen fühlen, dann werden

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