Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Verluste leicht heilen; hingegen in warmes Wasser gesteckt, wird die Wärme jede Schmerzempflndung für den Augenblick aufheben, aber die Wunde heilt schwerer. Auf die Schlachtung angewendet, ergibt demnach das Herausströmen des heissen Blutes, welches sofort die Wunde bedeckt, die absolute Schmerzlosigkeit und da zunächst aus den Gehirnarterien das Blut sich entleert, ist die Besinnungslosigkeit rasch eingetreten und in Folge jede Schmerzempfindung aufgehoben. Bei dieser Gelegenheit hob er auch besonders die Bestimmung des Rituals über die besondere Schärfe des Schlachtmessers rühmend hervor. Man ersehe hieraus, dass es dem Ritus darum zu tun war, den Schlachtungsakt schnell und möglichst schmerzlos zu gestalten." Gelegentlich finde ich es angezeigt, zur Aufhellung einer Stelle des zweiten Kapitels meiner Schritt hier zu bemerken: Wenn in Bezug auf das rasche Schwinden des Bewusstseins, durchs Bluten, gesagt wird: „deshalb wird auch die Hinrichtung von Menschen im Deutschen Reiche mittelst Enthauptung als die humanste Tötungsart gepriesen", so hat das seinen Grund in folgendem Wir wissen, dass die zwei wichtigsten Teile des Körpers, das: Herz und der Kopf, auch ihr „eigenes" Leben haben. Das Herz pendelt, wenn es dem Körper entnommen, unter Umständen noch bis zwei Minuten lang, und der abgeschlagene Kopf lebt sicher noch länger; da ist es eben auch nur die in Folge des grossen Blutverlustes eingetretene Ohnmacht, was das Fehlen der Schmerzempfindung garantirt. Leopold Mandl. Die BIntlüge. Aus Budapest wird unterm 31. Juni berichtet: Letzten Samstag ist in der Ortschaft Pospakladny die 17jährige Dienstmagd Esther Fekete des Gastwirtes Alexius Horowitz spurlos verschwunden. Am nächsten Tage verbreitete sich das Gerücht, die Magd sei in den Brunnen gefallen. Der Brunnen wurde untersucht, aber eine Leiche nicht gefunden. Nun erzählte man sich, Frau Horowitz hätte Samstag Abends das Mädchen in den Tempel geschickt, wo die Frau etwas vergessen hatte, und von dort sei sie nicht mehr zurückgekehrt. Hieraus schloss die Bevölkerung auf einen Ritualmord. Das Märchen fand umsomehr Glauben, als am Tage vor dem Verschwinden der Magd der Rabbiner des Ortes begraben wurde. Die Gendarmerie recherchiert nach dem Mädchen, das wahrscheinlich entführt worden ist.