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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1905) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 ten jüdischen Niederlassungsgebietes hat die ökonomische Lage der Juden verhängnisvoll gestaltet. Es wurde ein Pauperismus geschaffen, der in seinen Dimensionen ohne Beispiel dasteht. Die Denkschi ift kommt auch auf die Geschichte der Judenhetzen der letzten fünfundzwanzig Jahre zurück und weist auf Grund von Belegen nach, dass diese Hetzen veranstaltet wurden, um die Fernhaltung der jüdischen Jugend von jeder Teilnahme an der revolutionären Bewegung zu erzwingen. Die Denkschrift führt die Tatsache an, dass der verstorbene Minister von Plehwe na<-h der Metzelei von Kischenew einer jüdischen Deputation wörtlich sagte: „Liefert uns eure Demokraten aus! Sonst werden wir euch das Leben in Russland unerträglich machen!" Die Denkschrift schliesst mit dem Appell an die Vertreter der Semstwos, dafür zu sorgen, dass in der künftigen Volksvertretung alle Klassen und alle Nationalitäten vertreten sein sollen, denn nur auf diesem Wege werde der allgemeine Friede hergestellt werden. Aus der Sagenwelt des Judentums. Ein sonderbarer Zufall hat uns zwei Bücher auf den Tisch gebracht, deren eines aus Berlin, der Metropole der Intelligenz, kommt, während das andere in Szeged, der ungarischen Altöldstadt, das Licht der Welt erblickt hat, und welche beide sich in der nämlichen Geistes weit bewegen : in der Welt altjüdischer Geschichte und Sage. Das erstere, natürlich in deutscher Sprache geschrieben, enthält biographische Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte und Sage von Albert Katz. (Verlag für moderne Literatur in Berlin.) Das zweite hat den jungen ungarischen Schriftsteller Peter Ujväri in Szeged zum Verfasser und ist betitelt: „Legendäk es kiömitäk", (Legenden und Chroniken.) Beide Verfasser sind Juden. Es verlohnt die Mühe, einen Augenblick bei diesem seltsamen Spiel des Zufalls Halt zu machen. Er zeigt wieder einmal, wie das jüdische Gefühl, das Bewusstsein einer weltgeschichtlichen Vergangenheit in tausendjähriger Ueberlieferung fortlebt und fortwirkt auf dem ganzen Erdenrund, überall, wo ein Teil des einst in staatlicher Selbstständigkeit lebenden, seit bald zweitausend'Jahren nach allen Winden zerstreuten jüdischen Volkes sich niedergelassen hat. Der Deutsche Albert Katz ist der tiefere, gelehrtere, der Ungar Peter Ujväri ist feuriger, poetischer. Beiden gemeinsam ist die schwämerische Anhänglichkeit und Pietät für den uralten Glauben der Väter an das ethische Motiv, welches das jüdische Volk durch die Jahrtausende aufrecht erhaltt-n hat trotz unsagbarer Leiden und Verfolgungen, die bis auf den heutigen Tag nicht aufgehört haben. Beiden gemeinsam ist ferner ein Zug edler, unbefangener Menschlichkeit. Ihr jüdisches Bewusstsein ist frei von konfessioneller Beschränktheit oder Ueberhebung. Mit ihrer Schwärmerei lür die

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