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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1905) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Die in einer „Atmosphäre der gegenwärtig zu Kraft bestehenden Polizeidiktatur, unter der Kontrolle der Landschaftshauptleute" , ohne eine freie Presse, ohne freie Versammlungen, ohne Integrität der Person und der Wohnung veranstalteten Wahlen eröffnen weitgehende Möglichkeiten zu Druck auf Wähler und Gewählte. Und dabei kann die Reichsduma noch so viele Beschlüsse fassen, wTenn sie der Administration nicht gefallen sollten, so wird von ihnen einfach keine Notiz genommen. Es ist klar, sagt das Memorandum, dass die Reichsduma überhaupt jeglicher tatsächlichen Bedeutung beraubt sein wird oder bei einer geschickten Sichtung der Vertreter der Bauernschaft von Seiten der Landschaftshauptleute ein bequemes Mittel abgeben wird, um im Namen des Volkes Gesetze und Massnahmen zu sanktionieren, die den wirklichen Volksinteressen zuwider sind. Und vor solch eine Parodie auf eine Volksvertretung sollen wir Juden, nach dem Regierungskommunique vom 21. Juni, als Angeklagte treten; diese vermeintlichen Volksvertreter werden entscheiden, ob wir als Völkerschaft würdig sind, Gleichberechtigung mit den anderen Völkerschaften Russlands zu geniessen oder ob wir auch fürderhin rechtlos bleiben sollen. Aber nicht nur einem solchen Surrogat einer Volksvertretung, sondern selbst wirklichen Vertretern der Ueberzeugungen und Bestrebungen des Volkes als Ganzen sprechen wir Juden jegliches Recht ab, über uns als Völkerschaft zu urteilen. Das Memorandum verlangt ausser der speziellen Gleichberechtigung für die Juden die Einberufung einer konstituierenden Versammlung bei unbeschränkter Wahlberechtigung. Auf die antisemitischen Exzesse hinweisend, erklärt das Memorandum, dass die Juden die Pflicht haben, ihre Kinder vor ähnlichen Möglichkeiten zu schützen und diese Pflicht bis zum Schlüsse auch allen Verfolgten und Unterdrückten ihrer Heimat gegenüber erfüllen werden, um freie Bürger in einem freien Staate zu schaffen. Indem das Memorandum sich an die Vertreter der Semstwos und Städte wendet, fordert es die Bevölkerung auf, sich fest zusammenzuschliessen, um mit den Repressalien, die jetzt über Russland verhängt sind, ein Ende zu machen in einer Volksvertretung. * - * In zahlreichen Depeschen an das Ministerkomitee haben verschiedene jüdische Gemeinden auf die Gefahr hingewiesen, welche die Ausschliessung der Juden von der Volksvertretung für das friedliche Zusammenleben der Juden mit der übrigen Bevölkerung haben könnte. Nunmehr haben die russischen Juden in derselben Angelegenheit eine Denkschrift an die Vertreter der Semstwos gerichtet. Dieses uns vorliegende umfangreiche Schriftstück enthält eine Reihe von Daten und Belegen zur Illustration der gegenwärtigen Lage der Juden in Russland. Die Zusammenpferchung der sechs Millionen russischen Juden in den Städten des sogenann-

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