Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 17 (1905)
- Issue
- 6/7 (Juni/Juli 1905)
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 judischen Bevölkerung eine Erregung hervorrufen und ein neues Hindernis zur Beschwichtigung der Gemüter der jüdischen Bevölkerung bilden werde, wendet sich die Versammlung an die besten Elemente der russischen Gesellschaft, in der Zuversicht, dass „eine solche Beraubung der Wahlrechte einer ganzen Völkerschaft eine einstimmige und schroffe Verurteilung erfahren werde." Diese Resolution wurde von den Anwesenden sofort unterzeichnet und iwird im Original dem Ministerkonseil vorgelegt werden. * * * Die jüdische Bevölkerung Rigas hat an den Fürst S. N, Trubezkoi ein Telegramm abgesandt, in dem ausgedrückt wird, dass der Fürst in der Zeit von Trauer, schwerer Prüfungen und Ungerechtigkeit ihnen, den Juden, grossen Trost gebracht hätte, indem die Vertreter der Landschaft, die einzigen wahren Vertreter des russischen Volkes durch seinen Mund den Wunsch aussprachen, dass in Russland die Rechtlosen zu bestehen aufhören und alle gleiche Bürgerrechte geniessen mögen. Es wird im Telegramm bemerkt, dass die Juden nicht bloss für ihre Rechte und ihr Wohlergehen kämpfen, sondern auch für das Recht und die Ehre russischer Staatsbürger. Da sei es kummervoll, dass das russische Volk den Schmerz der Juden nicht kenne und nicht helfend die Hand den Juden entgegenstrecke. Nun erkläre es aber durch den Fürsten, dass es solches tun werde und gross ist der Dank der Hebräer dafür. * * * Die „Nowosti" veröffentlichten in ihrer Nr. 161 mit verschiedenen Milderungen und von der Zensur vorgenommenen Kürzungen das „Memorandum des Verbandes der Moskauer jüdischen Intelligenz", welches dieser dem Bureau des» zum 18. und 19. Juli in Moskau einberufenen Kongresses der Semstwo- und Städte-Vertreter übergeben hat. Das Memorandum richtet sich besonders gegen die projektierte Bulygin'sche Reichsduma, jene „Parodie auf eine Volksvertretung", die, wie jemand treffend gesagt hat, „einer Gruppe von Leuten eine gewisse Zeit lang gestattet, zu schwatzen", und sich in allen Schichten der russischen Bevölkerung der gleichen Antipathie erfreut und alles andere eher erreichen wird, als Beruhigung ins Volksleben zu tragen. Wie sollte es auch anders sein, handelt es sich doch hier um einen offensichtlichen „Versuch, den Begriff einer Volksvertretung zu entstellen", denn weder die Arbeiterklasse, die nach vielen Millionen zählt, noch */5 der gesamten jüdischen Bevölkerung werden beispielsweise das Wahlrecht besitzen, weil die Wahlen auf Gi und eines Vermögenszensus und einer ständischen Vertretung projektiert sind, die den am meisten bewussten und entwickelten Teil der arbeitenden Schichten von der Vertreitung seiner Interessen zurückhalten.