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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1905-06-01 · 6/7 (Juni/Juli 1905) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
17 (1905)
Issue
6/7 (Juni/Juli 1905)
Date
1905-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Werkzeugen. Die russische Bevölkerung will in Eintracht und Frieden mit ihren jüdischen Mitbürgern leben. Die Studentenschaft hat oft genug dagegen protestiert, dass man Juden den Zugang zu den Hochschulen erschwerte oder verwehrte; bei den gegenwärtigen Rufen nach Verfassung und Volksvertretung ist mehrfach von russischen Christen das Verlangen gestellt worden, dass maa gleiches Recht für alle, auch für die Juden, geben solle; man erklärte es für einen Schlag ins Gesicht der Gewissensfreiheit, dass das gute Recht derer gekränkt werde, die den Glauben ihrer Väter nicht abschwören wollen. Aber was kümmern solche Kundgebungen, was die Volksstimmung und die öffentliche Meinung Herrn Bulygin? Er hat des Zaren Ohr und tut, was er will. Im Jahre 1891 ist in Petersburg ein sehr merkwürdiges Buch gedruckt worden, merkwürdig durch seinen Inhalt und durch seine Schicksale. Es enthält nichts weiter als authentische Aussprüche über die Juden in Russland; sie rühren von Behörden, Staatsmännern, Generälen, Metropoliten, Erzbischöfen, Schriftstellern, Körperschaften her. Man findet da Namen von hellem Klang. Man kann aus diesen Aeusserungen ersehen, wie vernünftig und gerecht die besten Männer des Zarenreiches über die Juden geurteilt, wie sie deren Gleichstellung mit den übrigen Staatsangehörigen seit Menschenaltern gefordert haben, im Namen der Menschlichkeit, im Interesse des Volkes und der Staatswohlfahrt. Und aus den Vorschlägen zur Verbesserung des Loses der Juden kann man zugleich erkennen, wie viel an ihnen gesündigt worden ist. Und was geschah mit dem Buche? Die Zensur fand anfangs keine Handhabe, diese Sammlung von Aktenstücken zu verbieten. Aber schliesslich Handhabe hin, Handhabe her, Macht geht vor Recht, und die Unterdrückung erfolgte. Ein einziges Exemplar wurde durch einen Zufall gerettet und kam nach zehn Jahren zum Vorschein. Dieses einzige Exemplar ist jetzt im British Museum jedermann zugänglich. Nach ihm ist eine Uebersetzung hergestellt worden, die deutschen Lesern ein Urkundenmaterial von unergleichlichem Wert über die russischen Juden unterbreitet. Herr Bulygin müsste erröten, wenn er dieses Buch läse; er müsste das Erröten verlernt haben, wenn er angesichts dieser Zeugnisse seinen Vorschlag, den Juden das Wahlrecht zu verweigern, aufrecht erhielte. Was aber würde die Durchführung dieses Vorschlages bedeuten? In Petersburg hat dieser Tage eine grosse Versammlung hervorragender Juden unter dem Vorsitz des Barons Horaz Ginsburg stattgefunden, die gegen den Plan, sechs Millionen russischer Staatsangehöriger mosaischen Glaubens vom Wahlrecht und der Teilnahme an der Volksvertretung auszuschliessen, Einspruch erhebt und erklärt: „Diese Massregel würde die revolutionäre Bewegung im westlichen Gebiet zu neuen Flammen emporlodern lassen." Willkürlicher und verblendeter kann kein Minister die Revolution fördern, als Herr Bulygin durch seine 1*

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